Sarah
Sarahs Blog

Sarah - erzählt vom American Way of Life

Recycling 101

03. Juni 2011

Recycling – in den USA kein Fremdwort mehr! Zwar ist die Mülltrennung hier noch immer nicht mit der in Deutschland zu vergleichen, doch hat sich auch hier in den letzten Jahren eine Menge getan. Und für all diejenigen, die noch in den “Müll”-Anfängen stehen, gibt es die 101-Broschüre in der New Yorker Tagespost ...

Ich kann mich noch gut an den Schock erinnern, den ich während meines High School Aufenthaltes im Jahr 2000 bekam, als meine texanische Gastfamilie an meinem ersten Abend eine riesige Tonne Hausmüll zum Container trug. Alles gemischt, versteht sich. Plastik, Papier, Glas. Und am nächsten Abend? Eine weitere Tonne Müll. Und auch am Tag darauf. Recyling war damals ein Fremdwort. Etwas, worüber man gar nicht nachdachte. Gegessen wurde von Papptellern, getrunken aus Plastikbechern. Das war praktisch. Und extrem umweltbelastend.

Auch heute noch gibt es in Amarillo/Texas kein einheitliches Recycling-Programm. Wer seinen Müll trennen möchte, muss diesen entweder auf zeitaufwendige und umständliche Weise selbst zu den Recycling-Zentren fahren oder seinen Müll von einer privaten Agentur abholen lassen – gegen Bares, versteht sich.

2800 Kilometer weiter östlich sieht das schon ganz anders aus. Die amerikanische Ostküste, insbesondere New York, ist – was die Mülltrennung (und natürlich auch viele andere Dinge) angeht – um einiges fortschrittlicher.

Seit nunmehr 30 Jahren gibt es hier ein städtisches Recyling-Programm. Doch noch immer ist das Konzept nicht bei allen Leuten durchgedrungen. Selbst wenn in einem Wohngebäude Mülltrennung geboten wird, spielen nicht alle Bewohner mit. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Nicht zu Recyclen ist hier zum einen eine Kostenfrage, oft auch reine Bequemlichkeit, aber auch immer wieder Unwissenheit.

Um die New Yorker zum Recyclen zu bewegen, verteilt die Stadt Info-Pamphlets in der Post, in denen erklärt wird, was wie getrennt werden soll. Klingt für uns Deutsche logisch, aber für viele Neu-New-Yorker, die aus ländlicheren Gegenden des Landes kommen, ist das Thema Recycling Neuland.

"Erste Hilfe" für Recycling-Neulinge
(Foto: © Florida Sun Magazine)

So erklärte mir kürzlich ein Bekannter: “Meine Eltern wohnen in Michigan. Sie müssen für die Mülltrennung viel Geld zahlen. Der Hausmüll ist kostenlos. Also recyclen sie nicht.” Das macht ihn – ein rigoroser Verfechter der Nachhaltigkeit – extrem wütend. Aber überzeugen konnte er seine Eltern trotzdem nicht.

Trotz alledem bemerkt man einen Umschwung. Zum einen in den Köpfen der Menschen, was sehr schön ist, aber zum anderen auch in der Politik. So findet man hier im Nordosten an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, Parks oder Ämtern immer öfter Recycling-Mülleimer.

Auch auf den Recycling-Tonnen gibt's noch mal alle Infos.
(Foto: © Florida Sun Magazine)


Hallo, Nachbar!

13. Mai 2011

Endlich, endlich war es soweit. Nach gut anderthalb Jahren im großen Apfel habe ich nun doch noch eine Celebrity gesichtet. Und die wohnt sogar in der gleichen Straße wie ich ...

Sie haben sich alle schon lustig gemacht. Wie, du hast noch immer keinen Prominenten gesehen? Aber du wohnst doch in Manhattan? Nein, für mich sollte es einfach nicht sein. Während mich Freunde aus der Heimat für eine Woche besuchen kommen und mir am Ende ihres Urlaubs auflisten, wen sie alles auf der Straße erkannt haben, habe ich die Stars bisher nur bei öffentlichen Veranstaltungen wie Sport-Events oder Roten Teppichen gesehen.

Aber das zählt nicht. Ein wahres "Celebrity-Sighting" geschieht im Alltag, und den Star muss man inmitten der Menschenmassen erkennen. Nachdem mir zwei Freunde, die ebenfalls auf der Upper West Side wohnen, immer wieder von Begegnungen mit Dustin Hoffman, Yoko Ono und Co. berichteten, wurde es jetzt Zeit, mir von ihnen professionellen Rat einzuholen.

Wo trifft man die Stars? Wie bekomme ich sie zu Gesicht? Im Gespräch wurde schnell klar, was ich falsch mache. Ich schaue nie hoch, wenn ich durch die Straßen gehe. Das hat vorwiegend praktische Gründe. Denn in einer Stadt, in der man Schlaglöcher lieber mit Stahlplatten abdeckt anstatt sie auszubessern, herrscht höchste Stolpergefahr. Außerdem ist man viel schneller unterwegs, wenn man sich auf die Straße konzentriert, anstatt in der Weltgeschichte herumzuschauen.

Aber nein, nein, so wird das nichts, sagen mir meine Freunde. Wenn du Celebs sehen möchtest, musst du einfach die Augen offen halten. So einfach? Ja, so einfach. Denn nur eine Woche nach diesem Ratschlag ist es soweit. An einem wunderschönen Frühlingsabend in New York spaziere ich in den Central Park, dieses Mal mit offenen Augen für das, was um mich herum geschieht. Und siehe da - wer kommt mir da auf dem Fahrrad entgegen gesaust? Sting, der Sänger der Band The Police.

Sting – mittlerweile 60, aber immer noch topfit – wohnt auf der Upper West Side. Soviel war mir bekannt. Was ich nicht wusste, ist dass er sogar auf dem gleichen Straßenabschnitt wohnt wie ich. Okay, während er sich nach dem Radausflug in einem zweistöckigen Penthouse mit Blick auf den Park erholt, schaue ich aus meiner winzigen Wohnung auf eine Häuserwand. Nicht ganz vergleichbar. Trotzdem nenne ich ihn jetzt fortan "Nachbar", wenn ihr nichts dagegen habt.

Übrigens ist es New Yorkern strengstens untersagt, Prominente auf der Straße anzusprechen. "Das machen nur Touris", erklären mir meine Upper West Side Freunde Howard und Megan. "New Yorker nicken nur freundlich und gehen weiter". Richtig so, schließlich wollen die Celebs ja auch mal ihre Ruhe haben.

Von Stings Anwesenheit kann ich allerdings nicht lange zehren. Vor ein paar Wochen wurde seine Wohnung, die seit vier Jahren auf dem Markt war, verkauft. Für schlappe 19 Millionen Dollar. Wo er hinzieht, konnte ich leider nicht herausfinden. Auch nicht, wer sein Nachfolger sein wird. Aber jetzt weiß ich ja, wie ich nach ihnen Ausschau halte.

Und bis dahin singe ich Sting einfach sehnsüchtig hinterher: "Oh oh, I’m an alien. I’m a legal alien, I’m a German girl in New York ..."


Royales Fieber in New York

29. April 2011

Die Briten mögen zwar Monarchie-müde gewesen sein, aber die Amerikaner sind von den Royals auf wundersame Weise fasziniert. Spätestens seit der Verlobung von Will und Kate sind auch hier alle dem königlichen Hochzeitsfieber verfallen. Sich vom Party-Fieber anstecken lassen - das können die Amerikaner besonders gut. Und heute war es endlich soweit: Die Hochzeit des Jahrhunderts stand an. Und New York feierte kräftig mit.

New Yorker wissen einfach, wie man eine Party schmeisst. Und obwohl die Hochzeit hier um 6 Uhr Ortszeit stattfand, wurden in der ganzen Stadt "Will und Kate"-Parties organisiert. Im Greenwich Village gab es sogar ein Straßenfest. Wer verrückt genug ist, dafür um 4 Uhr aufzustehen? Man weiß es nicht.

Seit Wochen wurde in der amerikanischen Presse über nichts anderes mehr berichtet. Royals, Royals, Royals. So sehr sich die Amerikaner auch sonst von den Briten distanzieren, an diesem Tag entdecken auch sie ihre royalen Wurzeln.

Und dass der Wahn um die Jahrhunderthochzeit, wie sie in den Medien betitelt wurde, in Amerika fast ebenso groß ist wie auf den britischen Inseln, sieht man an den heutigen Social Media Daten. Die amerikanische Facebook-Seite der königlichen Hochzeit erhielt weitaus mehr Kommentare als die UK-Seite.

Mädels hierzulande sehen Kate Middleton zudem als Style-Icon. Ein Friseur in Downtown Manhattan hat sich sogar auf den "Kate"-Haarschnitt spezialisiert. Ein Bombengeschäft, denn viele New Yorkerinnen möchte so aussehen wie die moderne Prinzessin.

Doch wer denkt, der ganze Hype ist nur etwas für die Damenwelt, hat weit gefehlt. Als ich die Übertragung der Hochzeit heute morgen öffentlich - und ganz ohne Scham - auf dem Crosstrainer in meinem Fitnessstudio anschaue, spüre ich plötzlich einen Blick von links. Ich schaue hinüber, und sehe wie der Herr neben mir, der auf seinem Bildschirm den Sportkanal ESPN laufen hat, ganz ungeniert lieber auf meinen TV schaut. Männer - Hauptsache, sie können ihr Gesicht wahren. ;)

Auf dem Weg zurück in die Wohnung dann der absolute Beweis, dass New York voll und ganz hinter der Traumhochzeit steht: Auf einem gelben NYC-Taxi leuchtet eine Reklame mit dem Verlobungsbild von Will und Kate und dem Schriftzug: Congratulations! (Herzlichen Glückwunsch!) Leider war das Taxi zu schnell weg, um noch ein Erinnerungsfoto zu schießen ...


Soup Kitchen

21. April 2011

Am Wochenende ging es mit New York Cares (eine Charity-Organisation, die Bewohner New Yorks zur Wohltätigkeit engagiert) zum St. Francis Xavier Meal Service in Chelsea.

New York ist eine Stadt der Gegensätze: jung und alt, Tradition und Moderne, Armut und Reichtum. Besonders letzteres wird einem tagtäglich bewusst, wenn man durch die Straßen der Stadt schlendert. Während die Schaufenster der Fifth Avenue und die Wolkenkratzer in Downtown ein Leben von Glanz und Glamour versprechen, bildet sich am Ende des Tages ein anderes Bild: Obdachlose schlafen in Kirch- und Ladeneingängen, suchen nach Schutzraum.

Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Armenviertel - das ist eine Seite New Yorks, die man als Tourist nur selten zu sehen bekommt. Obwohl sich im Laufe des letzten Jahrzehnts viel verbessert hatte, steigt die Zahl der Obdachlosen seit der Wirtschaftskrise wieder drastisch an. Jeden Abend schlafen 3,000 Menschen auf den Straßen von New York.

New York Cares hat es sich zum Auftrag gemacht, seinen Bewohnern zu helfen. “Von New Yorkern, für New Yorker”, lautet ihr Motto. Stars wie Alec Baldwin und Whoopi Goldberg setzen sich für die Organisation ein.

Jeder, der in New York lebt, kann mitmachen und sich für die unterschiedlichsten Projekte engagieren. So kommt es, dass zum St. Francis Meal Service 70 freiwillige Helfer erscheinen, von denen sich kaum jemand kennt. Viele sind zum ersten Mal dabei und haben sich dazu entschlossen, an diesem Sonntagmittag in einer Suppenküche auszuhelfen.

“Suppenküche” ist in diesem Fall nicht ganz passend. Denn die gespendeten Lebensmittel bieten den Obdachlosen eine solide Mahlzeit mit Vor-, Haupt und Nachspeise. Dazu gibt es warmen Kaffee, für den an diesem kalten Tag alle dankbar sind.

Jeder Freiwillige bekommt eine Aufgabe zugeteilt, sodass der Ablauf recht reibungslos verläuft. Essensausgabe, Abräumen, Abwasch. Ich persönlich wasche und trockene Tabletts zusammen mit einem kleinen Team. Die Küche hat nur 250 Tabletts zur Verfügung - viel zu wenig für die knapp 1300 Obdachlosen, die hier an diesem Tag versorgt werden. Wir müssen uns also ranhalten.

Neben dem Essen freuen sich viele der Männer und Frauen auch über das ein oder andere Gespräch mit den Freiwilligen, während andere lieber in Ruhe ihre Mahlzeit verzehren.

Nach drei Stunden an der Tablett-Station treffen wir uns mit den anderen Freiwilligen zum gemeinsamen Aufräumen. Dabei lernt man sich kennen, erzählt von anderen New York Cares Projekten, tauscht Kontakte aus. Erst als alles blitzblank ist, ist das Projekt offiziell beendet. Dann geht jeder wieder seinen eigenen Weg, hinaus in diese Stadt der Gegensätze.


Anti-Auto-Attitüde

11. April 2011

Amerika. Alles ist größer und breiter, als wir es aus Europa kennen. So das Klischee. Und man braucht gar nicht genau hinzuschauen, um zu erkennen: Da ist ‘was Wahres dran.

Parkplätze, zum Beispiel. Die sind in manchen Bundesstaaten so groß, dass gleich fünf Smarts nebeneinander passen würden. Kein Wunder, schließlich wollen Hummer, Pick-Up und Co ja auch bequem geparkt werden.

Oder Drive-Throughs: In Deutschland nur von McDonalds bekannt, gibt es sie hier bei jeder Fast-Food-Kette. Sogar bei Coffee Shops. Und ja, sogar beim Geldautomaten seiner Bank.

Es gibt eigentlich nur einen Ort in den USA, in dem das Auto eine Nebenrolle spielt: New York. Glaubt ihr nicht? Dann schaut euch doch nur mal die zweitgrößte Stadt Amerikas an: Los Angeles, bekannt für ihre allmorgendlichen Autostaus. Hier ist man ohne Auto aufgeschmissen. Siebenspurige Highways, hallo!?

Im großen Apfel sieht das anders aus. Während man sich im Rest das Landes mit der Größe seines Grundstückes und dem darauf stehenden Eigenheim brüstet, leben New Yorker auf engstem Raum zu horrenden Monatsmieten. "Lifestyle", nennen sie das. In einer Stadt, in der Waschmaschine und Trockner als Statussymbol gelten, bleibt kein Platz für Autos.

Parkgaragen sind unbezahlbar (siehe Foto) und wer sein Auto auf der Straße parkt (viel Glück bei der Parkplatzsuche!) darf sich nicht an Kratzern im Lack oder Dellen am Kotflügel stören. Hier sieht man so manchen Wagen am Straßenrand stehen, da bekäme der deutsche Otto-Normal-Autofahrer glatt einen Herzinfarkt. 

Kürzlich wurde das Auto eines Bekannten, der erst seit ein paar Wochen in Manhattan wohnt und sein Auto an der Straße parkte, völlig ausgebrannt. Totalschaden. Und das bei einem brandneuen BMW. Das Auto nutzte er bis dato nur am Wochenende und so vergingen ein paar Tage, bis er das verbrannte Auto-Wrack ein paar Straßen weiter überhaupt entdeckte. Die New Yorker Polizei sah sich nicht dazu verpflichtet, den Fahrer des Wagens zu kontaktieren. Denn der Brand galt eigentlich dem davor parkenden Auto - ein Racheakt, so die Polizei. Und der BMW-Fahrer? Pech gehabt. Die Versicherung weigert sich, zu zahlen. Was lernen wir daraus? Wir nehmen die U-Bahn. Oder gehen zu Fuß.

Diejenigen, die sich ein eigenes Auto und die dazugehörige Tiefgarage leisten könnten, wollen gar keinen fahrbaren Untersatz. Zumindest wollen sie ihn nicht selbst fahren. Wer etwas auf sich hält, hat einen Fahrer, der einen zu jeder Tages- und Nachtzeit an einen x-beliebigen Ort bringt.

All denjenigen, die trotzdem wahnsinnig genug sind, mit ihrem PKW nach New York zu kommen, sei gesagt: Hier regieren die Taxifahrer. Sie haben Vorrecht. Immer. Sogar vor den Polizeiwagen. Sie scheren sich auch nicht um Fußgänger. Die wiederum scheren sich nicht um die restlichen PKWs. Wer bei einer grünen Ampel nicht rechtzeitig losfährt, hat pechgehabt.  Ströme von Menschen nutzen die Chance, um die Straße frühzeitig zu überqueren. Und der Autofahrer bleibt stehen.

Selbst Times Square - dem Ort, der jahrelang als Kreuzung der Welt galt - hat sich den Autos verschworen. Seit 2009 ist der Platz eine autofreie Zone. "Verkehrsberuhigung" lautete das Ziel.

Trotz all dieser doch recht unamerikanischen Anti-Auto-Attitüde ist und bleibt es das wohl schwierigste Unterfangen, in New York einen Ort zu finden, an dem man nicht das ständige Hupen und Dröhnen von PKWs hört.

Genau hinschauen: Den ganzen Tag parken für $7.60? Wirkt wie ein Schnäppchen, doch das Angebot täuscht. Das Kleingedruckte erklärt: Der Preis gilt nur für eine halbe Stunde.
(Foto: © Florida Sun Magazine)


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Über mich

Sarah

Wer einmal in den Vereinigten Staaten gewesen ist, weiß, dass der American Way of Life ansteckend ist. Immigranten aus aller Welt zog es schon vor Jahrhunderten in die "neue Welt" und auch heute noch ist das Land eines der beliebtesten Auswandererziele. Auch bei mir lief es nicht anders. Nach einem Schüleraustausch in Texas, einem Studium der Amerikanistik mit Auslandssemester in Wisconsin und einem anschließenden Praktikum in Florida lebe ich nun erneut im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In meinem Blog berichte ich aus meiner neuen Heimat - der pulsierenden Metropole New York - und erzähle von meinen alltäglichen Erfahrungen im Großstadtdschungel. Zudem gebe ich all denjenigen Tipps, die gerne eine zeitlang in Amerika leben möchten.

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