Sarah
Sarahs Blog

Sarah - erzählt vom American Way of Life

Deutsches Brunch-Flair in Brooklyn

27. Juli 2010

Ein eigenes Sammelgebiet wie das russische Viertel in Brighton Beach oder das chinesische Viertel Chinatown gibt es für die deutsche Community in New York nicht. Dafür sind die Restaurants deutscher Einwanderer - wie "Zum Schneider" oder "Lorelei" - in der ganzen Stadt bekannt. Und dann gibt es noch die deutsche Esskultur, die man nur zufällig entdeckt. So wie am vergangenen Samstag bei einem Sonntagsspaziergang durch Brooklyn …

Am frühen Morgen geht es am bisher heißesten Tag des Jahres nach Brooklyn, um den freien Eintritt im Brooklyn Botanic Garden zu nutzen. Der botanische Garten ist der schönste, den ich bisher gesehen habe und wirklich einen Besuch Wert. Nach dem Spaziergang durch die vielfältige Pflanzenwelt geht es weiter durch den Prospect Park, an dem es bei steigender Hitze nicht annähernd so voll ist wie noch vor wenigen Wochen.

Egal, denn wir bleiben stets auf der Schattenseite und bahnen unseren Weg weiter nach Park Slope, das vom New York Magazine kürzlich zum attraktivsten Wohnviertel der Stadt gewählt wurde. Renovierte Sandsteinhäuser, vergleichsweise niedrige Mieten und zahlreiche Cafés locken junge Familien reihenweise aus Manhattan nach Brooklyn.

Nach unserem langen Marsch sind wir auf der Suche nach Abkühlung und Stärkung in einem schönem Lokal. Wir schlendern die 7th Avenue, die Hauptstraße von Park Slope, entlang und stoßen durch Zufall auf das Café Steinhaus. Klingt nicht nur deutsch, ist es auch! Erst im Inneren des schönen Cafés wird mir bewusst, dass die Einrichtung hier ganz der deutschen und österreichischen Kultur gewidmet ist. Deutsche Schilder, wohin das Auge hinblickt. Mein persönlicher Favorit: Das Schild "Beichtstuhl" über der Toilettentür.

Das Café ist gut besucht und macht Park Slopes Ruf alle Ehre, denn die Gäste bestehen hauptsächlich aus jungen Menschen. Auf der Menükarte stehen Schnitzel, Gulasch und deutsches Bier. Wir bleiben um 12 Uhr Mittags aber doch lieber bei der Brunchkarte und bestellen uns ein leckeres Omelette. Die Bedienungen sind zwar Amerikaner, aber der Inhaber ist Österreicher. Wir erfahren, dass hier Montags Gulaschtag, Mittwochs Livemusik und Sonntags Movienight ist. Na, da lohnt es sich doch noch mal wiederzukommen.

  Das Cafe Steinhof
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Witzig: Diese deutschen Schilder sind überall im Café verteilt.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Omelette mit Pilzen, Spinat und Ziegenkäse - lecker!
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Hier geht's zum "Beichtstuhl" :)
(Foto: © Florida Sun Magazine)


Hitzewelle

20. Juli 2010

Es ist Sommer an der Ostküste und somit ist es kuschelig warm und schwül. Auch nach zwei Jahren habe ich mich noch immer nicht an dieses Klima gewöhnt und schaue mit neidischen Blicken auf die Amerikaner, die der Hochsommer kalt zu lassen scheint...

Fast 40 Grad waren es in der vergangenen Woche in New York. Da kommen die Klimaanlagen so richtig in Fahrt. Ohne ist es auch kaum mehr auszuhalten. Unvorstellbar war da die Nachricht aus Deutschland, dass in der Deutschen Bahn Schüler in einem über 50 grad heißen Zugwagon ohnmächtig geworden sind.

Seit vielen Jahrzehnten sind Klimaanlagen in Amerika Standard - in Autos, Büros, Geschäften und zu Hause. Altbauten haben oft kein zentrales Kühlsystem, so dass sich viele Leute eine so genannte "Window-Unit" ins Fenster hängen. Diese Klimaanlagen sieht man überall in der Stadt. Die Luftfeuchtigkeit, die den Zimmern entzogen wird, tropft manchmal draußen am Hausrand herunter. Vorsicht: Bei windigem Wetter bekommt man als Passant schon mal den ein oder anderen Tropfen ab.

Das tolle am Sommer in Amerika: Viel mehr Sonnenschein geht kaum! Hier erstrahlt wirklich jeden Tag der Himmel blau. Trotzdem tue ich mich noch immer schwer, mich an die Schwüle zu gewöhnen. Haarreif, Haarspray, Glätteisen - was hilft am besten, um das Haar zu bändigen? Über Tipps jeglicher Art würde ich mich freuen.

Besuch aus Deutschland wird auch oft vom Wetter überrascht. Obwohl ich regelmäßig vorwarne ("Es herrscht hier ein anderes Klima"), lautet die Antwort meist nur: "Ach, bei uns ist es auch heiß." Erst wenn sie ankommen merken sie, was ich meine. Letzte Woche habe ich sogar einer Touristen geholfen, die mitten auf der Straße einen Schwächeanfall bekam. Das Wetter ist also wirklich nicht zu unterschätzen.

Manchmal stehe ich an meinem Fenster meines klimatisierten Zimmers und schaue neidisch auf die vorbeilaufenden Amerikaner, denen die Hitze nichts auszumachen scheint. Wie machen sie das bloß - in Anzug, Krawatte oder im Kostüm? Da hilft wohl nur eins: viel Trinken und immer cool bleiben!

So lässt es sich aushalten - an einem schattigen Plätzchen im Park.
(Foto: © Florida Sun Magazine)


Fiesta Española!

12. Juli 2010

"Ole, ole, ole!" tönt es gestern unentwegt in den Straßen. Zum WM-Finale treffen sich alle Spanier, die sich im Urlaub oder dauerhaft in Amerika aufhalten, um ihr Team lauthals anzufeuern. Nach 120 Minuten Nervenkitzel und Emotionen lautet das Motto: Fiesta, Fiesta!

Deutschland ist zwar nicht mehr mit dabei, aber das Endspiel der Fußball-WM kann ich mir trotzdem nicht entgehen lassen. Zusammen mit Freunden, darunter Spanier, geht es in die Szene-Fußball-Bar der Stadt, in der man an diesem Tag fast ausschließlich Spanisch hört.

Schon beim Spiel gegen Deutschland haben die Spanier kräftig gefeiert, während ich eine Wette verlor. Würde Deutschland gewinnen, sollte ich einen spanischen Freund in ein deutsches Restaurant einladen. Mache Spanien das Spiel, würde ich abends kostenlos Paella und Tapas dinieren dürfen. Wir alle wissen, wie es ausging. Enttäuscht über das Aus im Halbfinale ging es abends zu "El Charro" im West Village. Doch der Rückschlag war schnell verkraftet - dank Manchego, Gambas, Chorizo und Co…

Hmmm, lecker! Meine Paella war sogar besser als jegliche Paella, die ich je in Spanien gegessen habe.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Fortan hieß es, Spanien die Daumen zu drücken, denn den Spaniern beim Mitfiebern und Feiern zuzuschauen macht einfach viel mehr Spaß. Als das entscheidende Tor in der 116. Minute fällt, befürchte ich, dass der Barboden jede Sekunde nachgeben wird - so sehr springen die Fans vor Freude.

Nach dem Spiel geht es mit Jubelrufen in Richtung Washington Square Park. Traditionell geht es nach dem Gewinn nämlich ab ins Wasser - in diesem Fall der große Brunnen mit Wasserfontäne inmitten des Parks (bei über 30 Grad eine willkommene Abkühlung!) Die Freude der Rot-Gelben ist einfach ansteckend. Längst habe ich ihnen vollends vergeben, dass sie uns aus dem Turnier gekickt haben.

Am Abend schlendern wir dann noch mal vorbei am Empire State Building, das heute in den Farben der spanischen Flagge erleuchtet. Viva España!

Verdiente Abkühlung: Spanische Fans feiern den WM-Sieg im Washington Square Park.
(Foto: © Florida Sun Magazine)


Hotdog-Wettessen am Independence Day

09. Juli 2010

Am vergangenen Wochenende war der 4. Juli, der Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten. Es war das erste Mal, dass ich diesen Feiertag in Amerika miterleben durfte. Da konnte ich mir das wohl amerikanischste Event des Tages - das berühmte Nathan‘s Hotdog-Wettessen, natürlich nicht entgehen lassen.

Bereits im Winter stand ich vor der großen Anzeigetafel des Nathan‘s Hotdog-Imbisses in Coney Island und stellte mir vor, wie sich das Hotdog-Wettessen hier wohl abspielt. Monate später ist es endlich soweit. Traditionell findet der Wettbewerb jedes Jahr am 4. Juli statt. So ist wohl gesichert, dass auch jeder zu dem Event kommen kann.

Als wir um 11 Uhr in Coney Island, einem Stadtteil von Brooklyn, ankommen, haben sich bereits ein paar Tausend Gäste vor der "Hotdog-Bühne" angesammelt. Dabei geht der nur zehn Minuten dauernde Wettbewerb erst in knapp zwei Stunden los.

Die Hotdog-Bühne vor dem Imbiss "Nathan's" in Coney Island
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Aber kein Problem, denn die Amerikaner wissen, wie man ihre Gäste unterhält. Mit professionellen Trampolin-Springern, anfeuernden Cheerleadern und zahlreichen Preisen für die Zuschauer wird dem Publikum die Wartezeit versüßt. In der brütenden Mittagshitze füllt sich der Platz rund um die Hotdog-Bühne schnell mit der unglaublichen Zahl von rund 30.000 Menschen.

Nachdem die Nationalhymne gesungen wird (am heutigen Tag natürlich unabdingbar) und gefühlte Tausend US-Flaggen in der Luft schwingen, geht es los: Die Kandidaten werden nacheinander vorgestellt und auf die Bühne gerufen. Favorit ist der vieljährige Rekordhalter Joey Chestnut. Der 27-jährige Amerikaner ist in seinem Land ein wahrer Nationalheld und bringt unzählige Fans mit, die ihn - mit amerikanischen Farben bemalt - lauthals unterstützen. Sein schärfster Konkurrent ist der Japaner Takeru Kobayashi, der in diesem Jahr jedoch nicht teilnimmt (Grund: Das Preisgeld war ihm zu niedrig).

Die Jungs (und Mädels!) in Eating-Action
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Nichtsdestotrotz ist das zehnminütige Wettessen ein Riesen-Spektakel. Und eine ganz schöne Sauerei. Denn die Hotdogs werden zum besseren Verzehr erst in Wasser getunkt und so entsteht ein matschiges Wurst-Brötchen-Gemisch. Mit einer Mischung aus Ekel und Faszination schauen wir den Kandidaten zu, wie sie sich immer zwei "Dogs" gleichzeitig in den Mund schieben.

Am Ende gewinnt Chestnut klar mit 54 Hotdogs. Klingt viel, ist aber im Vergleich zu seinem bisherigen Rekord von 68 heißen Hunden für viele Fans eine Enttäuschung. Auch Chestnut selbst hätte gerne mehr geboten, wie er in einem späteren Interview zugibt.

Gewinner Joey Chestnut wird auf der Leinwand gezeigt.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Wir fanden es trotzdem spannend. Aber auf unser Hotdog-Lunch, das wir eigentlich für nach dem Wettbewerb geplant hatten, hat am Ende irgendwie keiner mehr Appetit …


Gay Pride Week

28. Juni 2010

Das Empire State Building leuchtet dieser Tage in lila. Warum? Es ist die internationale Gay Pride Week. Gestern fand das Highlight der Woche statt: Die Gay Pride Parade - mit jeder Menge Partystimmung, bunten Paradewagen und exotischen Vögeln …

In New York ist eigentlich immer etwas Spektakuläres los. Wohingegen anderenorts in der USA eine Schwulenparade noch reges Aufsehen erregt (in Arkansas führte kürzlich ein 11-Jähriger eine Parade an, deren Eltern dadurch in heftige Kritik gerieten), geht die Gay Pride Parade im Big Apple bei all den anderen Events an diesem Sonntag schon fast ein wenig unter.

Auch die Australier sind angereist.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

"Yet another parade!" könnte das Motto lauten, denn die Fifth Avenue wird ständig für einen Umug abgesperrt. Aber diese Parade können wir uns einfach nicht entgehen lassen, denn schließlich gibt es auf Pride Parades immer etwas spannendes zu sehen und erleben. Die Christopher Street Day Parade, die ja in Köln und Berlin hunderttausende Menschen anlockt, hat ihren Ursprung übrigens in New York. In der Christopher Street im Viertel Greenwich Village fand im Jahr 1969 ein Aufstand von Homosexuellen gegen die Polizei statt. Die politische Botschaft wurde seitdem von New York in die weite Welt getragen.

Ich sags ja - exotische Vögel.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Ironischerweise ist der Ausdruck "Christopher Street Day" jedoch nur im deutschsprachigen Raum üblich. In den USA wird von "Gay Pride" oder "Pride Parades" gesprochen. Egal wie man es ausdrückt, der Sinn und Zweck ist der selbe: Es wird gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung sexueller Minderheiten demonstriert. Und das so bunt und laut, wie nur eben möglich. Schließlich ist es in NY gar nicht so einfach, gegen den Stadtlärm anzukommen und ein wenig Aufmerksamkeit zu erregen.

In fast jeder anderen Stadt der USA wären nacktbrüstige Frauen und eingeölte Männer in Speedos wohl ein regelrechter Skandal. Selbst im Vergleich zum Aufsehen, das bei den deutschen Paraden erregt wird, wirken die Reaktionen der New Yorker Zuschauer hier wie "any other day".

Buntes Treiben auf der Fifth Avenue.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Von der Fifth Avenue bis hinunter ins "Village", wie es die Bewohner nennen, führt die Parade. Wir schauen uns erst den Beginn des Umzugs an und pilgern dann hinunter ins Greenwich Village, wo unbestreitbar die meisten Fans feiern. Jedes Restaurant hat heute eine Regenbogenflagge im Fenster hängen und auf den Straßen werden regenbogenfarbene Accessoires verkauft. Und Wasser. Jede Menge Wasser. Denn bei schwülen 36 Grad (und der vielen nackten Haut in der Parade!) kommt jeder Zuschauer ins Schwitzen.

Den Abend lassen wir dann beim Dinner auf einer Dachterrasse ausklingen. Als es sich etwas abgekühlt, kann man auch endlich wieder etwas Warmes zu sich nehmen. Viel spannender als das Dinner ist jedoch der Ausblick. Denn der geht geradewegs auf das Empire State Building - und das erstrahlt ganz in lila …


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Über mich

Sarah

Wer einmal in den Vereinigten Staaten gewesen ist, weiß, dass der American Way of Life ansteckend ist. Immigranten aus aller Welt zog es schon vor Jahrhunderten in die "neue Welt" und auch heute noch ist das Land eines der beliebtesten Auswandererziele. Auch bei mir lief es nicht anders. Nach einem Schüleraustausch in Texas, einem Studium der Amerikanistik mit Auslandssemester in Wisconsin und einem anschließenden Praktikum in Florida lebe ich nun erneut im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In meinem Blog berichte ich aus meiner neuen Heimat - der pulsierenden Metropole New York - und erzähle von meinen alltäglichen Erfahrungen im Großstadtdschungel. Zudem gebe ich all denjenigen Tipps, die gerne eine zeitlang in Amerika leben möchten.

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