Sarah
Sarahs Blog

Sarah - erzählt vom American Way of Life

Fiesta Española!

12. Juli 2010

"Ole, ole, ole!" tönt es gestern unentwegt in den Straßen. Zum WM-Finale treffen sich alle Spanier, die sich im Urlaub oder dauerhaft in Amerika aufhalten, um ihr Team lauthals anzufeuern. Nach 120 Minuten Nervenkitzel und Emotionen lautet das Motto: Fiesta, Fiesta!

Deutschland ist zwar nicht mehr mit dabei, aber das Endspiel der Fußball-WM kann ich mir trotzdem nicht entgehen lassen. Zusammen mit Freunden, darunter Spanier, geht es in die Szene-Fußball-Bar der Stadt, in der man an diesem Tag fast ausschließlich Spanisch hört.

Schon beim Spiel gegen Deutschland haben die Spanier kräftig gefeiert, während ich eine Wette verlor. Würde Deutschland gewinnen, sollte ich einen spanischen Freund in ein deutsches Restaurant einladen. Mache Spanien das Spiel, würde ich abends kostenlos Paella und Tapas dinieren dürfen. Wir alle wissen, wie es ausging. Enttäuscht über das Aus im Halbfinale ging es abends zu "El Charro" im West Village. Doch der Rückschlag war schnell verkraftet - dank Manchego, Gambas, Chorizo und Co…

Hmmm, lecker! Meine Paella war sogar besser als jegliche Paella, die ich je in Spanien gegessen habe.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Fortan hieß es, Spanien die Daumen zu drücken, denn den Spaniern beim Mitfiebern und Feiern zuzuschauen macht einfach viel mehr Spaß. Als das entscheidende Tor in der 116. Minute fällt, befürchte ich, dass der Barboden jede Sekunde nachgeben wird - so sehr springen die Fans vor Freude.

Nach dem Spiel geht es mit Jubelrufen in Richtung Washington Square Park. Traditionell geht es nach dem Gewinn nämlich ab ins Wasser - in diesem Fall der große Brunnen mit Wasserfontäne inmitten des Parks (bei über 30 Grad eine willkommene Abkühlung!) Die Freude der Rot-Gelben ist einfach ansteckend. Längst habe ich ihnen vollends vergeben, dass sie uns aus dem Turnier gekickt haben.

Am Abend schlendern wir dann noch mal vorbei am Empire State Building, das heute in den Farben der spanischen Flagge erleuchtet. Viva España!

Verdiente Abkühlung: Spanische Fans feiern den WM-Sieg im Washington Square Park.
(Foto: © Florida Sun Magazine)


Hotdog-Wettessen am Independence Day

09. Juli 2010

Am vergangenen Wochenende war der 4. Juli, der Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten. Es war das erste Mal, dass ich diesen Feiertag in Amerika miterleben durfte. Da konnte ich mir das wohl amerikanischste Event des Tages - das berühmte Nathan‘s Hotdog-Wettessen, natürlich nicht entgehen lassen.

Bereits im Winter stand ich vor der großen Anzeigetafel des Nathan‘s Hotdog-Imbisses in Coney Island und stellte mir vor, wie sich das Hotdog-Wettessen hier wohl abspielt. Monate später ist es endlich soweit. Traditionell findet der Wettbewerb jedes Jahr am 4. Juli statt. So ist wohl gesichert, dass auch jeder zu dem Event kommen kann.

Als wir um 11 Uhr in Coney Island, einem Stadtteil von Brooklyn, ankommen, haben sich bereits ein paar Tausend Gäste vor der "Hotdog-Bühne" angesammelt. Dabei geht der nur zehn Minuten dauernde Wettbewerb erst in knapp zwei Stunden los.

Die Hotdog-Bühne vor dem Imbiss "Nathan's" in Coney Island
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Aber kein Problem, denn die Amerikaner wissen, wie man ihre Gäste unterhält. Mit professionellen Trampolin-Springern, anfeuernden Cheerleadern und zahlreichen Preisen für die Zuschauer wird dem Publikum die Wartezeit versüßt. In der brütenden Mittagshitze füllt sich der Platz rund um die Hotdog-Bühne schnell mit der unglaublichen Zahl von rund 30.000 Menschen.

Nachdem die Nationalhymne gesungen wird (am heutigen Tag natürlich unabdingbar) und gefühlte Tausend US-Flaggen in der Luft schwingen, geht es los: Die Kandidaten werden nacheinander vorgestellt und auf die Bühne gerufen. Favorit ist der vieljährige Rekordhalter Joey Chestnut. Der 27-jährige Amerikaner ist in seinem Land ein wahrer Nationalheld und bringt unzählige Fans mit, die ihn - mit amerikanischen Farben bemalt - lauthals unterstützen. Sein schärfster Konkurrent ist der Japaner Takeru Kobayashi, der in diesem Jahr jedoch nicht teilnimmt (Grund: Das Preisgeld war ihm zu niedrig).

Die Jungs (und Mädels!) in Eating-Action
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Nichtsdestotrotz ist das zehnminütige Wettessen ein Riesen-Spektakel. Und eine ganz schöne Sauerei. Denn die Hotdogs werden zum besseren Verzehr erst in Wasser getunkt und so entsteht ein matschiges Wurst-Brötchen-Gemisch. Mit einer Mischung aus Ekel und Faszination schauen wir den Kandidaten zu, wie sie sich immer zwei "Dogs" gleichzeitig in den Mund schieben.

Am Ende gewinnt Chestnut klar mit 54 Hotdogs. Klingt viel, ist aber im Vergleich zu seinem bisherigen Rekord von 68 heißen Hunden für viele Fans eine Enttäuschung. Auch Chestnut selbst hätte gerne mehr geboten, wie er in einem späteren Interview zugibt.

Gewinner Joey Chestnut wird auf der Leinwand gezeigt.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Wir fanden es trotzdem spannend. Aber auf unser Hotdog-Lunch, das wir eigentlich für nach dem Wettbewerb geplant hatten, hat am Ende irgendwie keiner mehr Appetit …


Gay Pride Week

28. Juni 2010

Das Empire State Building leuchtet dieser Tage in lila. Warum? Es ist die internationale Gay Pride Week. Gestern fand das Highlight der Woche statt: Die Gay Pride Parade - mit jeder Menge Partystimmung, bunten Paradewagen und exotischen Vögeln …

In New York ist eigentlich immer etwas Spektakuläres los. Wohingegen anderenorts in der USA eine Schwulenparade noch reges Aufsehen erregt (in Arkansas führte kürzlich ein 11-Jähriger eine Parade an, deren Eltern dadurch in heftige Kritik gerieten), geht die Gay Pride Parade im Big Apple bei all den anderen Events an diesem Sonntag schon fast ein wenig unter.

Auch die Australier sind angereist.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

"Yet another parade!" könnte das Motto lauten, denn die Fifth Avenue wird ständig für einen Umug abgesperrt. Aber diese Parade können wir uns einfach nicht entgehen lassen, denn schließlich gibt es auf Pride Parades immer etwas spannendes zu sehen und erleben. Die Christopher Street Day Parade, die ja in Köln und Berlin hunderttausende Menschen anlockt, hat ihren Ursprung übrigens in New York. In der Christopher Street im Viertel Greenwich Village fand im Jahr 1969 ein Aufstand von Homosexuellen gegen die Polizei statt. Die politische Botschaft wurde seitdem von New York in die weite Welt getragen.

Ich sags ja - exotische Vögel.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Ironischerweise ist der Ausdruck "Christopher Street Day" jedoch nur im deutschsprachigen Raum üblich. In den USA wird von "Gay Pride" oder "Pride Parades" gesprochen. Egal wie man es ausdrückt, der Sinn und Zweck ist der selbe: Es wird gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung sexueller Minderheiten demonstriert. Und das so bunt und laut, wie nur eben möglich. Schließlich ist es in NY gar nicht so einfach, gegen den Stadtlärm anzukommen und ein wenig Aufmerksamkeit zu erregen.

In fast jeder anderen Stadt der USA wären nacktbrüstige Frauen und eingeölte Männer in Speedos wohl ein regelrechter Skandal. Selbst im Vergleich zum Aufsehen, das bei den deutschen Paraden erregt wird, wirken die Reaktionen der New Yorker Zuschauer hier wie "any other day".

Buntes Treiben auf der Fifth Avenue.
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Von der Fifth Avenue bis hinunter ins "Village", wie es die Bewohner nennen, führt die Parade. Wir schauen uns erst den Beginn des Umzugs an und pilgern dann hinunter ins Greenwich Village, wo unbestreitbar die meisten Fans feiern. Jedes Restaurant hat heute eine Regenbogenflagge im Fenster hängen und auf den Straßen werden regenbogenfarbene Accessoires verkauft. Und Wasser. Jede Menge Wasser. Denn bei schwülen 36 Grad (und der vielen nackten Haut in der Parade!) kommt jeder Zuschauer ins Schwitzen.

Den Abend lassen wir dann beim Dinner auf einer Dachterrasse ausklingen. Als es sich etwas abgekühlt, kann man auch endlich wieder etwas Warmes zu sich nehmen. Viel spannender als das Dinner ist jedoch der Ausblick. Denn der geht geradewegs auf das Empire State Building - und das erstrahlt ganz in lila …


Ausritt durch die Großstadt

25. Juni 2010

Am Wochenende ging es hoch zu Ross durch Brooklyn. Dabei zeigten mir zwei Amerikanerinnen, wie man sich wenn‘s brenzlich wird auf dem Sattel hält.

Der Ausritt ist ein Geburtstagsgeschenk einer Freundin, das wir an diesem sonnigen Vormittag einlösen wollen. Die U-Bahnen in New York spielen an diesem Wochenende mal wieder verrückt und wir kommen einer Dreiviertel Stunde zu spät an den Ställen an.

Trotz der Verspätung werden wir in den Kensington Stables mit amerikanischer Freundlichkeit empfangen und wir die Pferde sind innerhalb weniger Minuten für uns bereit. Emma heißt mein Pferd, das mich eine Stunde lang durch Brooklyns Prospect Park tragen wird.

(Foto: © Florida Sun Magazine)

Bevor es jedoch losgeht, müssen wir erstmal einmal eine dreiseitige (!) Einverständniserklärung unterschreiben, die uns vor den Risiken des Ausrittes warnt. Mit unserer Unterschrift bestätigen wir, dass der Veranstalter im Falle eines Unfalls keinerlei Schuld trägt. Reiten auf eigene Gefahr! Selbst der Sterbefall wird erwähnt. Als ich so ein Formular zum ersten Mal gesehen habe, war ich ganz schön geschockt. Mittlerweile bin ich diesen Papierkram gewöhnt. Die Amerikaner sichern sich halt gerne doppelt und dreifach ab - aus Angst vor Klagen, die Unternehmen in der Vergangenheit schon zum finanziellen Ruin führten.

Ich erinnere nur an die McDonalds-Klage von 1992, bei der eine Kundin die Fastfood-Kette verklagte, weil sie sich mit dem heißen Kaffee verbrannte. Seitdem steht auf jedem To-Go-Becher der Sicherheitshinweis: „Caution - hot!“. Oder die Klage eines Wohnwagenfahrers im Jahr 2000, der einen Unfall baute, als er während der Fahrt in den hinteren Teil des Wagens zum Kaffekochen ging. Sein Argument: Die Bedienungsanleitung des Tempomats hätte nicht davor gewarnt, dass man den Fahrersitz nicht verlassen darf. Die Klage brachte ihm 1,75 Mio Dollar und einen neuen Wohnwagen ein.

Unglaublich, aber zurück zum Thema. Wir unterschreiben also die Einverständniserklärung und besteigen unsere Pferde. Mit uns reitet Anna, die in den Kensington Stables arbeitet. Ich bin froh, dass sie dabei ist, denn sie leitet uns gekonnt durch den regen Stadtverkehr bis hinein in den Park.

(Foto: © Florida Sun Magazine)

Dort traben wir eine Weile fröhlich vor uns hin. Inmitten des Grüns vergisst man schnell, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet. Doch plötzlich geht das Pferd vor mir durch. Natürlich muss Emma gleich nachziehen und haut mich dabei fast aus dem Sattel. Anstatt die Zügel zu ziehen, wie es mir noch kurz vor Ausritt erklärt wurde, rufe ich nur: Stop, stop, stop!! Gott sei Dank zeigt auch das Wirkung, denn Emma kommt schließlich zum Stehen. Meine „Vor-Reiterin“ zeigt mir derweil, wie es richtig geht. Gekonnt stoppt sie ihr nervöses Pferd und kommt mir schnell zur Hilfe.

Mal abgesehen von zitternden Händen, einem rasenden Puls und ein paar blauen Flecken komme ich mit dem Schrecken davon. Trotz des stürmischen Abschlusses war es eine tolle Erfahrung. Nach einer Stunde sind wir zurück bei den Pferdestellen und ich bin froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. :)


Grenzerfahrungen

18. Juni 2010

Am Wochenende ging es für einen Kurztrip nach Niagara in Upstate New York. Mein Ziel: Endlich den ersten Kanada-Stempel in meinem Reisepass zu erhalten. Und ganz nebenbei natürlich die Niagara-Fälle zu bestaunen.

Als wir in Niagara ankommen, sind wir erst mal erstaunt. Mit den Casinos und Hotelhochhäusern direkt bei den Wasserfällen hätte ich nicht gerechnet. Vielmehr habe ich mir die "Niagara Falls" als reines Naturgebiet vorgestellt. So kann man sich irren. Dieser ganze Beton hat jedoch einen bedeutenden Vorteil: Binnen weniger Minuten ist man über eine Brücke von Amerika nach Kanada gelaufen.

Hier geht's nach Kanada!
(Foto: © Florida Sun Magazine)

"Vorsicht! Gehen Sie hier nicht weiter, wenn Sie keine Einreisedokumente bei sich tragen", warnt ein Schild am Brückenaufgang. Bevor wir durch das Drehkreuz gehen und damit amerikanischen Boden offiziell verlassen, kontrollieren wir noch mal, ob wir auch unsere Reisepässe dabei haben.

Auf der Brücke mit Blick nach Kanada
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Dann geht es zu Fuß über die Brücke, von der aus wir einen tollen Ausblick auf die Niagarafälle haben. Auf der anderen Seite fragt uns der kanadische Grenzbeamte, ob wir zum ersten Mal nach Kanada einreisen, was ich bejahe und ihm erkläre, dass ich in meinem Pass unbedingt einen Nachweis für meinen Besuch hier brauche. Er lacht nur und stempelt wohlwollend meinen Reisepass ab.

Blick auf die Niagarafälle von der Brücke
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Auf kanadischen Boden decken wir uns dann mit Ahornsirup, Postkarten und Souvenirs ein. Viel Zeit haben wir nicht, bevor wir uns auf den Rückweg nach Amerika machen müssen. Dort angekommen fragt mich der (zu meiner Überraschung äußerst freundliche) Beamte erst nach meiner Staatsbürgerschaft und dann nach meinem Visums-Status in den USA. Ich gebe ihm all die gewünschten Informationen. "So you‘re coming home from Canada?" fragt er. Da muss ich nur schmunzeln. "Ja, könnte man so sagen," antworte ich ihm. Zuhause in Amerika.


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Über mich

Sarah

Wer einmal in den Vereinigten Staaten gewesen ist, weiß, dass der American Way of Life ansteckend ist. Immigranten aus aller Welt zog es schon vor Jahrhunderten in die "neue Welt" und auch heute noch ist das Land eines der beliebtesten Auswandererziele. Auch bei mir lief es nicht anders. Nach einem Schüleraustausch in Texas, einem Studium der Amerikanistik mit Auslandssemester in Wisconsin und einem anschließenden Praktikum in Florida lebe ich nun erneut im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In meinem Blog berichte ich aus meiner neuen Heimat - der pulsierenden Metropole New York - und erzähle von meinen alltäglichen Erfahrungen im Großstadtdschungel. Zudem gebe ich all denjenigen Tipps, die gerne eine zeitlang in Amerika leben möchten.

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