Sarah
Sarahs Blog

Sarah - erzählt vom American Way of Life

Wandern auf dem Appalachian Trail

26. März 2010

"Natur pur" lautet das Motto am Wochenende, wenn es zusammen mit ein paar Deutschen zum Wandern auf den Appalachian Trail geht.

Der Appalachian Trail ist ein 3340 km langer Wanderweg, der vom Bundesstaat Georgia bis hinauf nach Kanada führt. Wanderer, die den kompletten Weg ablaufen, starten ihre Tour meist im Frühjahr und wandern monatelang durch die Berge und Wälder der Appalachian Mountains und ihrer Ausläufer.

Was viele nicht wissen: Der Trail führt geradezu an New York City vorbei. In nur zwei Stunden Zugfahrt ist man bereits auf dem berühmten Wanderweg angekommen. Das Witzige: Die Bahnhaltestelle wurde 1996 extra für Wanderer erbaut und der Zug hält dort ausschließlich an den Wochenenden. Dementsprechend simpel sieht auch die Haltestelle aus.

Die Appalachian Trail Bahnhaltestelle
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Vor der Abreise bepacken wir unsere Rücksäcke mit Proviant und Wasser für den Tagesausflug. Als wir nach einer zweistündigen Zugfahrt selbst an der winzigen Bahnhaltestelle ankommen, steigen mit uns nur weitere Wanderer aus - allesamt in unserem Alter. Bevor wir uns auf den Weg in die Natur machen, packen noch eine der Wanderkarten ein, die an der Haltestelle ausliegen.

Zunächst geht es durch ein Sumpfgebiet, das wir auf Holzbrettern überqueren. Bei strahlend blauem Himmel bietet die nach dem langen Winter noch karge Landschaft ein faszinierendes Panorama. Nach dem Durchqueren des Sumpfes geht es durch einen Laubwald, erst geradeaus und schließlich immer steiler bergauf, bis wir die erste Anhöhe erreicht haben.

Das Sumpfgebiet des Appalachian Trails
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Weiter geht es, vorbei an Bächlein, Wiesen und Gestein. Den Weg weisen uns weiße Markierungspunkte an den Bäumen, so dass wir uns nicht verlaufen können. Das Pamphlet, das wir mitgenommen haben, warnt uns vor Zecken, Waschbären und sonstigen wilden Tieren der Region. Die erhoffte "Wildlife-Experience" bleibt jedoch aus, aber immerhin läuft uns eine kleine Schlange über den Weg.

Wir müssen rechtzeitig umdrehen, um den einzigen Zug zu erwischen, der uns wieder zurück nach NYC bringt. Wir stellen fest, dass ein Tag in Amerikas Natur eine tolle Abwechslung zum alltäglichen Trubel der Großstadt ist. Das machen wir gerne wieder!

Ein Bach in den Wäldern
(Foto: © Florida Sun Magazine)


Lang Lang in der Carnegie Hall

23. März 2010

Am Sonntag habe ich einen meiner Lieblingskünstler unserer Zeit sehen dürfen - den chinesischen Pianisten Lang Lang, der für ein Benefiz-Konzert in der New Yorker Carnegie Hall auftrat.

Lang Lang, der von der New York Times kürzlich als "heißester Künstler auf dem Planeten der klassischen Musik" betitelt wurde, ist seit Jahren als Botschafter für Unicef tätig. Als er vor einigen Monaten von dem desaströsen Erdbeben in Haiti erfuhr, plante er sein Konzert in New York kurzerhand in eine Benefizveranstaltung um. Die Erlöse der Eintrittskarten dieses Abends gehen daher zu 100 Prozent an die Erdbebenopfer Haitis. 

(Foto: © Florida Sun Magazine)

Der 27-jährige Ausnahmemusiker tritt zusammen mit dem Schleswig-Holstein Orchester auf, das vom deutschen Dirigenten Christoph Eschenbach geleitet wird. So wird das Konzert zu einem deutsch-chinesischen Ereignis.

Im Publikum sitzen daher auch einige deutsche, aber doch eindeutig mehr chinesische Zuschauer, die ihr Idol aus der Heimat live erleben wollen. Lang Lang enttäuscht sie nicht und gibt zusammen mit dem Orchester Stücke von Mozart und Prokofiev zum besten. Nicht nur die Künstler sind phantastisch, auch die Akustik und Atmosphäre in dem 1891 erbauten Konzertsaal ist einmalig.

Während Lang Lang kein Stück nervös zu sein scheint, ja geradezu selbstbewusst und souverän wirkt, sieht man dem Orchester, das zum ersten Mal in der berühmten New Yorker Carnegie Hall auftritt, die Aufregung doch ein wenig an. Doch der ausverkaufte Konzertsaal ist begeistert und rühmt den Musikern am Schluss sogar mit Standing Ovations. Ein Konzerterlebnis der Extraklasse!

(Foto: © Florida Sun Magazine)


Dog Walk

18. März 2010

Am vergangenen Sturmwochenende blieb jeder daheim, der das Haus nicht unbedingt verlassen musste. Ich hatte mich jedoch schon vor Wochen zum Freiwilligendienst im Tierheim angemeldet und machte mich am frühen Sonntagmorgen auf zum Dog walk ins BARC Animal Shelter in Williamsburg.

New Yorker Tierheime sind oft überfüllt, denn die Bewohner der Stadt schaffen sich gerne Haustiere an, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. In einer Großstadt wie dem Big Apple eine Katze oder gar einen Hund zu halten, ist gewiss kein Kinderspiel.

Die überfüllten Tierheime sind oft auf die Hilfe von so genannten Volunteers angewiesen - also Personen, die ihre Arbeit ehrenamtlich ausführen. Das BARC Animal Shelter in Brooklyn arbeitet eng mit der Charity-Organisation "New York Cares" zusammen, bei der ich seit einiger Zeit Mitglied bin.

Wohltätigkeitsprojekte gibt es in den USA zuhauf. Hier engagiert sich fast jeder Bürger auf irgendeine Art für den guten Zweck. Ob über die Kirche, den Arbeitgeber oder eine Non-Profit-Organisation - Möglichkeiten, sich für seine Mitmenschen einzusetzen, gibt es viele.

Der Vorteil an "New York Cares" ist, dass man spontan an einzelnen Projekte der unterschiedlichsten Art teilnehmen kann und somit sehr flexibel ist. Zu dem Projekt im Tierheim sind an diesem Sonntag 12 Teilnehmer angemeldet. Auf Grund des schlechten Wetters tauchen allerdings nur sieben Personen auf - allesamt mit Regenjacken und Gummistiefeln ausgerüstet.

Wir tragen uns in eine Liste ein und unterzeichnen ein Formular, das erklärt, wie wir mit den Hunden umgehen sollen. Dann warten wir alle vor dem Eingang, bis die Tierheimleiterin die Hunde einzeln herausführt. Als erstes kommt ein junger Labrador-Mischling aus der Tür gestürmt, der mit wedelndem Schwanz sofort an mir hochspringt."Okay, that‘s your dog!" sagt die Leiterin und drückt mir die Leine in die Hand. "Her name is Katie."

Katie
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Katie und ich machen uns also los und spazieren in einen nahegelegenen Park. Ich sage zwar "spazieren", aber in Wirklichkeit zieht mich Katie so stark hinter sich her, dass es mir schwer fällt, beide Beine fest auf dem Boden zu halten. Jeder Dogwalker bekommt seinen eigenen Hund und wenn wir uns im Park begegnen, sollen wir voneinander Abstand halten, damit sich die Hunde nicht in die Quere kommen.

Katie zeigt glücklicherweise kaum Interesse an anderen Hunden. Sie ist vielmehr damit beschäftigt, Spatzen zu jagen und durch Regenpfützen zu laufen. Als ich die Hündin eine Stunde später wieder beim Tierheim abliefere, bin ich zwar ganz schön k.o. aber auch richtig gut drauf. Die Leiterin fragt mich, ob ich noch einen Hund ausführen möchte. "Na klar!" sage ich. Als sie dann meine mittlerweile matschigen Gummistiefel und dreckige Jacke sieht, sagt sie: "Ich gebe dir mal lieber einen kleineren Hund." Ich bin etwas enttäuscht, denn ich bin eher ein Fan von Labrador, Golden Retriever und Co. Aber hier geht es ja um den guten Zweck und da würde ich mich nie beschweren. Schließlich müssen alle Hunde Gassi gehen.

Wenige Minuten später kommt die Leiterin mit dem nächsten Hund aus der Tür. Ich bin etwas überrascht: ein Chihuahua!  Die Paris-Hilton-Hunde, die von jungen Amerikanerinnen mit Vorliebe in der Handtasche transportiert werden, sind in den letzten Jahren vollkommen überzüchtet worden und landen auf Grund der mittlerweile sinkenden Nachfrage reihenweise in den Tierheimen. Wirklich sehr traurig.

"This is Toby," sagt die Tierheimleiterin und erklärt, dass Toby kein wirklicher Menschenfreund ist und ich einfach nur mit ihm Gassi gehen soll. Der kleine Chihuahua ist wirklich nicht sonderlich gut drauf und ist ganz eingeschüchtert. Er scheint lieber wieder zurück in sein Gehege gehen zu wollen. Als dann noch auf halber Strecke urplötzlich ein heftiger Regenschauer ausbricht, ist Toby todunglücklich. Wir drehen also wieder um und kommen schon nach einer dreiviertel Stunde im Tierheim an. Dort treffe ich noch auf den Team Leader von New York Cares, der sich bei allen Teilnehmern für ihren Einsatz bedankt.

Toby - vor dem Regenschauer
(Foto: © Florida Sun Magazine)

Mein Fazit: Ich habe nette Leute kennengelernt, tolle Hunde ausgeführt und einen gemeinnützigen Sonntagvormittag verbracht. Charity kann so viel Spaß machen!


Regenschirm-Kadaver

15. März 2010

Vor einiger Zeit hatte ich in einem Blogeintrag erwähnt, dass mir das stürmische Wetter hier im Nordosten der USA schon zwei Regenschirme zerrissen hat. Letzten Endes habe ich mir dann einen Stockschirm zugelegt, der sich bis jetzt als wetterresistent bewehrt hat.

Am Samstag gab es wieder einen solchen Sturm. Der Regen und die Kälte waren an diesem Tag wirklich das geringste Übel, denn die Windböen waren so extrem, dass sie die Passanten auf der Straße regelrecht von den Beinen wehten. Jeder, der nicht unbedingt aus dem Haus musste, blieb besser daheim.

Am nächsten Tag hatte sich der Sturm schon wieder gelegt und zurück blieben umgeknickte Bäume und ausgeleerte Mülleimer. Auf einem Sonntagsspaziergang durch die Stadt ist mir etwas ziemlich Skurriles aufgefallen. Zirka alle hundert Meter lag ein kaputter Regenschirm auf der Straße, den die Fußgänger wohl aus lauter Sturm-Frustration liegen gelassen haben.

New York ist nicht gerade die sauberste Stadt der USA, daher lagen die Schirme auch noch am Folgetag dort, wo man sie im Sturm gelassen hatte. Hier dauert es meist ein ganzes Weilchen, bis die Stadtreinigung das Chaos des Vortages beseitigt hat. Besonders an den Wochenenden kann es so schon mal ziemlich verwüstet zugehen in den Straßen von New York.

Insgesamt waren es rund 15 kaputte Regenschirme, die mir auf dem Weg durch den Stadtteil Williamsburg in Brooklyn "begegnet" sind. Das fand ich so witzig, dass ich dann ein paar Schnappschüsse gemacht habe. Anbei einmal eine kleine Auswahl. Happy Monday!

      (Fotos: © Florida Sun Magazine)


Kulinarische Weltreise

12. März 2010

Am Dienstag in Indien, am Mittwoch in Mexiko und heute in Brasilien. Geht nicht? Geht doch! Zumindest im kulinarischen Sinne - auf meiner Reise durch die New Yorker Restaurantwelt.

In dem Viertel Murray Hill, das sich in den 20er Straßen auf der Ostseite von Manhattan befindet, geht es feurig zu. Zahlreiche indische Restaurants, Delis und Supermärkte, die von Immigranten gegründet wurden, verleihen dem Viertel den Spitznamen "Curry Hill". Wir wollen unbedingt eines der Restaurants austesten und nach einiger Internet-Recherche und Tipps von Bekannten entscheiden wir uns für Bhatti Indian Grill im Herzen von Murray Hill.

Schon der Weg durch das Viertel ist ein absolutes Highlight. Uns strömen intensive Gerüche diverser Gewürze und Pasten durch die Nase und in den Schaufenstern sehen wir allerhand indische Spezialitäten. Im Bhatti Restaurant angekommen ordern wir erst einmal einen erfrischenden Mango-Lassi und entscheiden uns dann jeder für ein unterschiedliches Gericht.

Ein paar Minuten später stehen diverse Curries, indisches Naan (Brot) und natürlich Reis auf dem Tisch. Wir genießen dieses Fest unterschiedlichster Düfte und Geschmäcker. Zum Nachtisch wird uns noch ein würziger Reispudding serviert, der aufs Haus geht. Was wir nicht schaffen, lassen wir uns in eine "Doggy Bag" zum Mitnehmen einpacken (in den USA gang und gäbe und nicht wie in Deutschland verpönt).

Am Mittwoch ging es dann ins Blockheads, einer beliebten Restaurant-Kette in der Stadt, die leckeren "Tex-Mex" - eine amerikanisierte Version mexikanischer Küche - zu guten Preisen bietet. Quesadillas, Burritos und Co. wecken Erinnerungen an meinen Highschool-Aufenthalt in Texas. An meiner Highschool waren 50 Prozent der Schüler mexikanischer Herkunft. Dementsprechend gab es dort jede Menge Tex-Mex zu kosten.

Zu unserem Essen genehmigen wir uns noch einen leckeren "Frozen Margarita" - ein Margarita-Mix auf zerkleinerten Eiswürfeln. So ist die mexikanische Stimmung perfekt. Übrigens spricht hier jeder der Bedienungen perfekt Spanisch, was das Ganze noch ein wenig authentischer macht. Allerdings sind in New York in nahezu jedem Restaurant Mitarbeiter süd- oder mittelamerikanischer Herkunft angestellt. Sie arbeiten oft als "Bus-Boys", räumen also die Tische ab, oder liefern das Essen aus. Eine ganz andere Seite der amerikanischen Einwanderer-Realität.

Heute Abend unternehmen wir einen Ausflug nach Brasilien. In das Restaurant "Casa" im West Village hat uns ein Freund eingeladen, dessen Eltern aus Brasilien stammen. Er selbst ist in New York aufgewachsen, aber mag die brasilianische Küche sehr. Für den Rest der Gruppe ist es nur von Vorteil, jemanden mit im Boot zu haben, der sich mit den Spezialitäten des Landes auskennt. So hoffen wir auf wertvolle Insider-Tipps zu den leckersten Gerichten der Speisekarte. Ob sich unsere Erwartungen erfüllen, gibt es dann hier nachzulesen. Euch allen einen guten Start ins Wochenende!


Tex-Mex Food à la Blockheads
(Foto: © Florida Sun Magazine)


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Über mich

Sarah

Wer einmal in den Vereinigten Staaten gewesen ist, weiß, dass der American Way of Life ansteckend ist. Immigranten aus aller Welt zog es schon vor Jahrhunderten in die "neue Welt" und auch heute noch ist das Land eines der beliebtesten Auswandererziele. Auch bei mir lief es nicht anders. Nach einem Schüleraustausch in Texas, einem Studium der Amerikanistik mit Auslandssemester in Wisconsin und einem anschließenden Praktikum in Florida lebe ich nun erneut im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In meinem Blog berichte ich aus meiner neuen Heimat - der pulsierenden Metropole New York - und erzähle von meinen alltäglichen Erfahrungen im Großstadtdschungel. Zudem gebe ich all denjenigen Tipps, die gerne eine zeitlang in Amerika leben möchten.

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