Leser fragen - Experten antworten

  • Kirsten Paul

    Immobilien-Finanzierungen

    Kirsten Paul

    Bankkauffrau & Mortgage Brokerin
    Paul Finance
    www.paul-finance.com
    info@paul-finance.com

  • Stimmt es, dass beim Hauskauf in Florida die jährlichen Kosten für Steuern und Versicherung unter Umständen die Höhe der Ratenzahlungen übersteigen können?

    Sicherlich beziehen Sie sich auf die monatlichen Kreditraten an die Bank, die sich aus vier Posten zusammensetzen: Zins + Tilgung + Versicherung + Grundsteuer (im Amerikanischen „PITI“ genannt, für Principal, Interest, Tax and Insurance). Mit Zins und Tilgung bedient der Kreditnehmer das Darlehen. Die anderen beiden Posten (Versicherung und Grundsteuer) gehen auf ein Treuhandkonto. Hier kumuliert der Betrag, bis ausreichend Geld vorhanden ist, um einmal jährlich die Grundsteuer (im November) und die Versicherung (alle 12 Monate, bei Fälligkeit) zu zahlen. Da die Bank aber im Vorfeld nicht wissen kann, wie hoch die Grundsteuer- oder Versicherungsrechnung das nächste Mal tatsächlich sein wird, kann sie sich nur auf Erfahrungs- und Schätzwerte stützen (bis zum Beispiel die Grundsteuer jeweils im Oktober festgelegt wird). Wenn nun also zu viel eingezogen wurde (passiert eher selten), kann sich der Kreditnehmer einen zu hohen Überschuss wieder auszahlen lassen. Ein solcher Fall ist uns allerdings nicht bekannt. Üblicherweise bleibt das Geld als Reserve bei der Bank stehen. Sollte aber zu wenig eingezogen worden sein (geschieht häufiger), so bieten sich ihm zwei Möglichkeiten: er begleicht den am Jahresende ermittelten Fehlbetrag innerhalb von 30 Tagen. Oder: die Differenz wird gezwölftelt und im Folgejahr mit den monatlichen Raten eingezogen. Solange der Kredit in Anspruch genommen wird, muss sich der Kunde also nicht um die Begleichung von Versicherung und Grundsteuer kümmern. Dies ist mit seiner monatlichen Rate abgedeckt. Wenn der Kredit zurückgeführt wird, erhält er den jeweiligen Kontostand dieses Treuhandkontos ausgezahlt.

    Kirsten Paul, 30. 07. 2010
  • Wir besitzen ein Haus in Cape Coral. Es ist 100% bezahlt. Meine Frau und ich betreiben in Ft. Myers ein kleines Geschäft mit E-2 Visum. Ist es möglich, unser Haus bis zu 40% des derzeitigen Steuerwertes zu beleihen?

    Generell ist es möglich, ein Haus nachträglich zu beleihen und sich den Kredit auszahlen zu lassen. Hier spricht man von der sog. „Cash-Out“-Refinanzierung. Hierfür ist allerdings nicht der Steuerwert ausschlaggebend, sondern der Marktwert. Der Marktwert wird zu ermitteln sein. Dies geschieht anhand eines Wertgutachtens durch einen von der Bank bestellten, lizenzierten Schätzer. Non-Residents können das Haus bis zu 70% beleihen lassen (in SW-Florida) und sich den Betrag auf ein Konto ihrer Wahl (auch in Europa) stellen lassen. US-Residents (mit guter Bonität) können in der Beleihung ggf. sogar noch höher gehen. Hier ist nun aber der Knackpunkt: Wenn Sie mit dem E2-Visum bereits in den USA leben, sind Sie aus Sicht der Bank kein „Non-Resident“ mehr. Und als Resident qualifizieren Sie sich allerdings bei den lokalen Banken auch erst nach einer gewissen Zeit, die Sie in den USA gelebt, gearbeitet und Steuern bezahlt haben und dies alles auch nachweisen können. Meist sind dies mindestens 1-2 Jahre.

    Kirsten Paul, 22. 07. 2010
  • Wie viel Grundsteuer zahle ich als Besitzer einer Immobilie in Florida und ist diese von Ort zu Ort unterschiedlich?

    Die Grundsteuer variiert von County zu County. Sie setzt sich aus den sog. "Millage Rates" zusammen, die sich wiederum aus den Budgets unterschiedlicher Abteilungen ergeben:  "Fire", "roads", "government", "mosquito control", "schools" und mehr (Mehr Informationen dazu finden Sie auf den jeweiligen Webseiten der Countys, bei Lee County zum Beispiel unter www.leepa.org). Auch innerhalb der Countys variieren die Beträge, da auch jede Stadt eigene Steuersätze veranschlagt. In Lee County liegt die "property tax", die übrigens immer nachschüssig bezahlt wird, bei ca. 2% des Einheitswertes, dem sog. "property tax value" (Steuerwert, nicht zu verwechseln mit dem Marktwert!).

    Es gibt auch Steuerermäßigungen für den ersten Wohnsitz, die allerdings nur von Amerikanern oder "Permanent Residents" in Anspruch genommen werden können.

    Die Steuerankündigung ("TRIM Notice") für das laufende Jahr erhält der Immobilienigentümer im August, die Rechnung kommt dann Oktober / Anfang November. Der Eigentümer hat von November bis spätestens März des Folgejahres Zeit, die ausstehende Steuerbelastung zu begleichen. Um eine möglichst frühzeitige Zahlung zu gewährleisten, gibt es eine Preisstaffel von einem Prozent pro Monat, wenn man vor dem Monat März des Folgejahres bezahlt. Das heißt, 4% Rabatt, wenn man im November bezahlt, 3% im Dezember etc.

    Kirsten Paul, 14. 07. 2010
  • Muss ich für eine Immobilienfinanzierung in Florida bei einer US-Bank laufende Einkünfte (Lohn) nachweisen oder reicht auch "nur" der Nachweis von Eigenkapital, z.B. Einkünfte aus Kapitalanlagen?

    Generell gilt derzeit bei einer Finanzierung in Florida: Full Doc, das heißt, vollständige Dokumentation und diese beinhaltet auch die Einkünfte. Normalerweise müssen die letzten beiden Jahre (2008 und 2009) sowie das laufende Jahr bis dato nachgewiesen werden. Bei Angestellten heißt dies: Schreiben des Arbeitgebers über die Bruttoeinkünfte innerhalb dieses Zeitraums sowie die letzte Gehaltsabrechnung in 2010. Musterschreiben hierfür werden in deutscher Sprache zur Verfügung gestellt. Bei Selbständigen wäre dies ein Schreiben des Steuerberaters mit adäquatem Inhalt. Wenn die Zahlen für 2009 bzw. 2010 noch nicht ermittelt sind, so kann man sich auch auf Schätzwerte berufen. Auch hierfür gibt es Musterschreiben in deutscher Sprache. Manche Banken erbitten sich zudem auch die letzten beiden vorliegenden Steuerbescheide, doch das ist eher selten der Fall. Einkünfte aus Kapitaleinlagen, Miete & Verpachtung etc. können allesamt auch/stattdessen verwendet werden, WENN Sie ausreichend sind. Hierzu können Sie mit einer groben Regel kalkulieren: Ihre sog. „Housing Expenses“, d.h. die Ausgaben für Immobilen & Wohnen in Europa UND USA (z.B. Miete, Kredite etc.) sollten gemeinsam nicht mehr als 35% Ihrer Bruttoeinkünfte (unabhängig von der Einkommensquelle) betragen. Entscheidend ist hier aber auch, was man tatsächlich alles angeben muss. Hilfreich ist immer, schon im Vorfeld einmal eine Eigenauskunft bei der SCHUFA (www.schufa.de) zu bestellen - mit allen über Sie gespeicherten Einträgen. So können Sie kontrollieren, welche Angaben Sie ggf. machen müssen. Banken und Mortgage Broker stellen im Vorfeld auch stets ein sog. „Pre-Approval“ aus. Dieses qualifiziert Sie vorab für einen Kaufpreis X und eine entsprechende Kredithöhe und zeigt Ihnen auch auf, welche Unterlagen Sie bei einer Finanzierung Sie später vorzulegen haben. Um sich Zeit und Arbeit zu sparen, können Sie dies unverbindlich und schnell vorab schon einholen, OHNE irgendwelche Unterlagen  vorlegen zu müssen. Voraussetzung ist lediglich eine formlose Selbstauskunft sowie der SCHUFA-Report.

    Kirsten Paul, 06. 07. 2010
  • Wir denken darüber nach, ein Haus in Florida zu bauen und unser Eigenkapital beträgt EUR 50.000. Wie lässt sich der Immobilienkredit berechnen? Ist es sinnvoller, über eine amerikanische Bank zu finanzieren als über eine Deutsche?

    Generell gibt es derzeit leider kaum/keine Baufinanzierungen in Florida für Ausländer. Diese Politik wird von den Banken konsequent geführt, da sie damit das riesige bestehende Immobilieninventar auf dem Markt abbauen wollen, bevor weitere neue Häuser hinzu kommen. Es gibt dennoch einige wenige Regionen in Florida, in denen derzeit noch eine Baufinanzierung (von Fall zu Fall) möglich ist, so zum Beispiel in Port Charlotte. Wann sich das ändern/bessern wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Meistens kommen solche Änderungen sehr kurzfristig. Generell können Sie aber folgendermaßen kalkulieren: Haus plus Grundstück ergeben zusammen 100% des Nettoinvestitionsvolumens. Davon finanzieren die Banken bis zu maximal 70%. D.h. 30% (inklusive Grundstück) kommen von Ihrer Seite zzgl. Kapitalbeschaffungskosten, Reserven und Rücklagen.

    Kirsten Paul, 26. 05. 2010
  • Hat die Finanz- und Wirtschaftskrise in den USA noch immer großen Einfluss auf die Immobilien-Kreditvergabe amerikanischer Banken?

    Die Kreditprüfung unterliegt definitiv kritischeren Prüfungen als früher und einige Kreditprogramme sind nur noch eingeschränkt oder nicht mehr am Markt erhältlich. Generell kann man aber sagen, dass die Prüfung bei vielen US-Banken dennoch immer noch einfacher ist, als bei mancher Hausbank in Deutschland – ganz in Abhängigkeit davon, wie und wo man finanziert. Was es nicht mehr gibt und wohl auch nicht mehr geben wird sind sog. „No-Doc-Loans“. Das waren Kredite, die ohne jegliche Nachweise zur Verfügung gestellt wurden. Der Kunde musste lediglich eine Selbstauskunft ausfüllen. Mittlerweile sind Nachweise vom Einkommen, Vermögen und Bankreferenzschreiben Voraussetzung für eine Finanzierung in Florida. Gute Mortgage Broker und Banken verfügen über entsprechende Musterschreiben in deutscher Sprache, die verwendet werden können. Wer finanzieren will, kann sich und seinem Makler eine Menge Zeit sparen, wenn er sich von seinem Banker oder Mortgage Broker kostenfrei ein sog. „Pre-Approval“ ausstellen lässt. Dieses ist ein offizielles Formschreiben, das bescheinigt, bis zu welchem Betrag sich der Käufer/Kreditnehmer unter der Beibringung bestimmter Unterlagen qualifizieren würde. Dieses Schreiben sollte man sich bereits im Vorfeld vor einem Florida-Besuch oder einer Immobiliensuche beschaffen, so ist man bestens vorbereitet.

    Kirsten Paul, 11. 05. 2010
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