Leser fragen - Experten antworten

  • Thomas Baur

    Immobilienrecht

    Thomas Baur

    Anwalt
    Baur & Klein, P.A.

  • Mein Vater besitzt in Florida ein kleines Ferienhaus mit einem Steuerwert von rund 200.000,- US-Dollar. Müssen wir Kinder im Falle eines eintretenden Todes unseres Vater darauf noch Erbschaftssteuern bezahlen?

    Zunächst müssen Sie verstehen, dass beim Tod Ihres Vaters zwei Steuerbehörden  - die amerikanische und die deutsche – einen Anspruch auf eine mögliche Besteuerung haben.

    Ich gehe davon aus, dass ihr Vater alleinstehend ist, in Deutschland seinen festen Wohnsitz hat und dass Sie und Ihre Geschwister ebenfalls in Deutschland domiziliert sind. Bei dieser Ausgangslage gilt grundsätzlich folgendes:

    In den USA steht Ausländern grundsätzlich ein Freibetrag zu, der einem Nachlasswert von $60,000 entspricht. Dieser Freibetrag kann sich aber für deutsche Staatsangehörige erhöhen. Nach dem 1998 abgeschlossenen Zusatzprotokoll zum DBA zwischen der BRD und den USA kann der überlebende deutsche Ehepartner 50% des in den USA belegenen Vermögens des Verstorbenen in Abzug bringen, wenn dieser  zum Zeitpunkt des Todes in Deutschland domiziliert gewesen ist und das Ehepaar im gesetzlichen Güterstand gelebt hat. Dies trifft auf Ihren Fall nicht zu. Die anderen Erben eines in Deutschland ansässigen Erblassers können aber den bereits erwähnten Mindestfreibetrag von $60,000 oder wahlweise den höheren Betrag geltend machen, der sich aus dem Verhältnis des US-Vermögens mit dem anderen weltweiten Vermögen des Erlassers nach folgender Formel berechnet: Freibetrag, den ansässige Personen geltend machen können (derzeitig US$5,000,000 multipliziert mit dem Betrag, der sich aus dem Verhältnis des US-Vermögens geteilt durch das restliche weltweite Vermögen ergibt.

    An einem hypothetischen Beispiel würde sich für Sie folgendes ergeben:
    Angenommen das US-Vermögen ihres Vaters beträgt $200,000 und sein weltweites Vermögen $2 Mio. Das ergibt einen Steuerfreibetrag von  $500,000 weil der Steuerfreibetrag für den Nachlass ansässiger Personen momentan (aber nur bis zum 31.12.2012) bei $5 Mio liegt. In diesem Fall wäre keine Nachlasssteuer in den USA fällig. Anders aber in folgendem Fall: US Vermögen $200,000 und weltweit $25 Mio. Das ergibt nur einen Steuerfreibetrag von $40,000. Da ein Mindestfreibetrag von $60,000 garantiert ist, wären also $140,000 der US Nachlasssteuer unterlegen.
    Es kommt also darauf an, welches Gesamtvermögen Ihr Vater insgesamt zum Todeszeitpunkt hat, um feststellen zu können, ob und wie hoch die Nachlasssteuer in den USA ist.

    NICHT VERGESSEN: Neben der US-Nachlasssteuer  in den USA kommt auf Sie und Ihre Geschwister eventuell noch die deutsche Erbschaftssteuer zu. Sollten Sie in den USA Nachlasssteuern gezahlt haben, werden diese ihnen bei der Berechnung der deutschen Steuer angerechnet.

    UND: die derzeitige US-Nachlasssteuerregelung gilt nur bis zum 31.12.2012. Danach kann sich die US-Nachlasssteuerregelung erheblich ändern.

    Noch ein Hinweis: Ihr Vater kann zu Lebzeiten Vorkehrungen treffen, um die mögliche Besteuerung im Nachlassfall zu minimieren.


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