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Urlaubsgeschichten.

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02.05.11, 20:56
trilingua
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Ekel Alfred und Heinz Erhard
Ekel Alfred und Heinz Erhard - einfach Weltklasse. Hoffentlich erlebt palpatine noch viele urlaubsgeschichten mit solchen Charakteren...!! icon_smile.gif
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10.03.12, 13:52
Palpatine
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Die Sache mit der Schildkröte...
Servus.

Ich bin beim durchstöbern des Forums immer wieder auf Einträge gestossen, die Schildkröten als Thema haben. Und da ist mir schlagartig eine Geschichte aus längst vergangenen Tagen eingefallen, die zwar jetzt nicht unbedingt eine "Urlaubsgeschichte" im eigentlichen Sinne darstellt, wohl aber mit dem Thema Schildkröte. ( Achtung, dieser Beitrag ist für Kinder unter sechs Jahre nicht geeignet )

Ich muss wohl so um die zehn oder elf Jahre alt gewesen sein, also zu einer Zeit an die sich die meisten hier im Forum nur noch von Hörensagen oder unter Inanspruchname des "History Chanel " gehört haben oder erinnern werden.
Ich hab solang ich denken kann immer schon Viecherl gehabt. Hunde, Katzen, Meerschweinderl, Hamster und eben auch episodenweise eine griechische Landschildkröte namens " Seppi " Die, so stellte sich bei einer tierärztlichen Routineuntersuchung heraus, gar kein Männchen war, sondern es sich hierbei vielmehr um eine weibliche Variante dieser Spezies handelte.
Ich änderte den Namen jedoch nicht, denn ich wollte unnötige Verkomplizierungen dem Tierchen erparen, und überhaupt war Er / Sie diesen Namen ja schliesslich schon gewöhnt. Denn wer von uns geht schon vormittags zum Arzt als Männchen mit dem Namen Joseph ( in Bayern ist dies Sepp), und kehrt nachmittags als Josephine wieder Heim. Das könnte für so manchen hier unter uns eine überraschende Erfahrung für`s Leben sein. Denkt ruhig mal ein paar Minuten darüber nach.
(" Mama, was ist denn mit Papa passiert? Der sieht aber ganz anders aus als noch heute morgen!" " Schweig Bub, das erklär ich dir wenn du erwachsen bist" )

Nun ja, jedenfalls benötigt diese Schildkrötenart, wie auch jede andere vergleichbare Tierart, eine wohlgewählte, mit äusserstem Sachverstand eingerichtete Behausung, die es ihr ermöglicht die nächsten 100 Jahre über ein sorgenfreies Dasein zu fristen.
Nun bedarf diese Art darüberhinaus einer mehrere Wochen andauernden Winterrruhe an einem trockenen, nicht zu hellen und vor allen Dingen wohltemperierten Ort. Der fachkundige Tierhalter weiss dies.

Dieser war schnell gefunden, und so befand ich unter Einsetzung meines tierpflegerischen Sachverstandes den zum elterlichen Hause am Münchner Bavariaring befindlichen Zentalheizungskeller, als die ultimative Habitatszone. Ich wählte eine Ecke des Heizungsraumes aus, der vortrefflich allen erforderlichen Parametern gerecht wurde. Hier würde "Seppi" eine artgerechte Winterruhe einhalten können, um im angrenzenden Frühjahr wieder frisch und vergnügt auf der sich im elterlichen Wohnraum verlegten Auslegeware seine Extremitäten vertreten zu können.

Nun war`s jedoch so, dass just während dieser Winterpause, sich mein Vater anschickte den Heizungskeller einer, so wie er meinte, längst überfälligen Renovierungsarbeit angedeihen lassen zu müssen. Im Zuge dieser Renovation wurden auch die Wände gestrichen, und zu diesem Zweck verlegte mein Vater den Käfig in dem sich Seppi befand kurzerhand ein gutes Stückweit näher an den ölbefeuerten Zentralheizungskessel, vergass jedoch selbigen wieder in seine ursprüngliche Position zurück zu stellen.
Eine sprunghaft ansteigende Umgebungstemperatur, die über einen längeren Zeitraum bestand hat, einhergehend mit begrenztem Wasser und Futterangebot, ist für eine sich im Winterschlaf befindliche Schildkröte und insbesondere ihrem allgemeinen Wohlbefinden, eher abträglich. Der verantwortungvolle und fachkundige Tierhalter weiss das.
Das Ergebniss diesen, aus der überlebenswichtigen Habitatszone entrückten 0,5 Quadratmeter grossen Käfiges, war unumstösslich der, das bei der behutsam stattzufindenden Vorbereitung des Tiers durch den sachkundigen Tierpfleger vom Winterschlaf auf`s Frühjahr, beziehungsweise bei der ersten seit mehreren Wochen stattgefundenen Durchsicht des Käfigs, lediglich ein leerer Schildkrötenpanzer vorgefunden wurde, der von der Beschaffenheit eher einem trockenen schwedischen Knäckebrot nahe kam. Da war augenscheinlich nix mehr zu machen. Selbst die sofort eingeleiteten Reanimationsversuche blieben Aufgrund der Ermangelung des Vorhandenseins des Tieres erfolglos.

Tja, mittlerweile und viele, viele Jahre später bin ich von den Reptilien zu den Säugetieren, im konkreten Fall auf den Hund bzw. Dackel namens " Herr Wasti " gekommen. Da weiss ich wenigstens dass er ein Manderl is und keinen Winterschlaf braucht.....

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PS: Da fällt mir ein, da war auch noch die Angelegenheit mit dem blauen Wellensittich namens Fritzi......



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 11.03.2012 um 10:44.]
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12.03.12, 14:55
trilingua
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Nette Geschichte!!
Ich sitz gerade beim fruehstueck im van Dyke cafe auf der Lincoln Rd undese deine Schildkrötenstory, koestlich! icon_smile.gif
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16.03.12, 10:55
Norali
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Palpatine,
ich habe mir auch grad einen wunderschönen Morgen mit einem leckeren Kaffee und deinen Geschichten gemacht, wir wollen mehr davon! Heute ist Entspannungstag, nachher gehts noch ins Hammam mit meiner besten Freundin. Gibt es sowas in den USA überhaupt? Hier in Berlin gibt es jetzt immer mehr, aber wir sind ja auch multi kulti Stadt.
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17.03.12, 15:39
trilingua
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Hammam
Miami koennte auch "Miami Hammam City" heissen, so viele gibt's hier. Mein Lieblingshammam ist auf Belle Isle, der ersten Halbinsel (von Miami Beach aus kommend) auf dem Venetian Causeway Richtung downtown im "Standard Hotel". Suuuper. Sehr stylish, danach am Pool mit chill-out-Lounge Musik people watching und Green tea mojito. Priceless.
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20.03.12, 18:52
DYI_Miami
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tatsächlich?
Das ist ja interessant, das wusste ich nicht. Gibt's denn dort viele türkische Einwanderer, dass das türkische Bad da so populär ist?
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20.03.12, 21:43
trilingua
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tuerken
also in ruhrgebiet, wo ich aufgewachsen bin, muesste es demnach in jeder strasse 2 hammams geben lol! icon_smile.gif nee, in miami beach gibt's nicht so viele tuerken. ich kenne ein tuerkisches restaurant und ein freund von mir, fadi, ist tuerke, ansonsten tauchen die hier eher wenig auf. aber die hammams sind polulaer. gibt ja auch nicht so viele japaner aber 1000 sushi places.
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09.04.12, 12:37
Palpatine
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Die Sache mit den Japanern.....
Servus.

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Bericht hat nichts, aber auch rein gar nichts mit Florida zu tun, geschweige denn mit einer Urlaubsgeschichte im eigentlichen Sinne.
Er stellt lediglich eine Ergänzung eines Beitrags von mir unter der Rubrik " Krapfen and more" vom 07.04 diesen Jahres dar.
Fürsorglich weise ich darauf hin, daß dieser Beitrag für Kinder unter 6 Jahre ( hohes Nachahmungsrisiko ) Mitglieder des diplomatischen Corps sowie Moralapostel jeglicher Coleur vollkommen ungeeignet ist. Sofern sie unter eine dieser Kategorien fallen, wechseln sie bitte diese Seite und gehen moralisch nützlicheren Dingen nach.

So, nachdem dies geklärt ist, kann ich mit meinen Ausführungen beginnen.
Es war vor zwei Jahren als wir anlässlich der IBA ( ich berichtete ) ein hohes Aufkommen an internationalem Fachpublikum zur Betriebsbesichtigung unserer heiligen Hallen zu bewältigen hatten. Neben anderen war unter den Besuchergruppen auch eine 24 köpfige Delegation aus Osaka für den späten Nachmittag angemeldet.
Diese Führung war in meiner Zuständigkeit und stellte die letzte nach bereits 5 vorangegangenen an diesem Tag dar. Da normalerweise zu diesem Zeitpunkt die Produktion bereits abgeschlossen ist, hatten wir lediglich eine kleine Mannschaft bereitgestellt, die gewissermaßen auf "Show" arbeitete.
Unter dieser " Showbesetzung" befand sich auch meine herzallerliebste und grundgute Mitarbeiterin Gabi M. aus Polen, die schon seit über 20 Jahren in meiner Truppe ist. Fräulein Gabi ist ca. 1,90 groß ebenso breit und verfügt über einen herzerfrischenden schwarzen Humor, den wir gegenseitig bei sich jeder bietenden Gelegenheit aufeinander loslassen. Kurzum: Sie ist übel und erfinderisch, also genau nach meinem Gusto.
Der Japaner an sich ist da naturgemäss etwas anders. Der verantwortungsvolle und erfahrene Abteilungsleiter weiss das. Diese Delegation bildete da keineswegs eine Ausnahme. Die Herren alle in dunkelblauem Anzug mit goldenem Namenschild am Rever , behängt mit Nikon und Hitachi Digitalkameras, die Damenschaft in dunkelblauem Blazerkostüm mit goldenem Namensschild, ohne Kamera. Darunter befand sich eine eigens mitgeführte Dolmetscherin in dunkelblauem Blazerkostüm mit goldenem Namensschild und einem Mikrophon um den Hals und in der rechten Hand einen kleinen tragbaren Lautsprecher ! Sehr beeindruckend.
Die Führung lief programmgemäss ab, ich erklärte immer nur 5 Sätze, die Dolmetscherin übersetzte, dann die nächsten 5 Sätze und so weiter. Der Japaner erledigt alles diszipliniert und stets im Kollektiv. Darüberhinaus verfügt er über beispiellose Umgangsformen. Ich wurde mindestens 10 mal mit einer 5/8 Verbeugung geehrt.
Als wir schliesslich an dem Tisch ankamen an dem meine überaus mehrfach herzensgute Mitarbeiterin Gabi stationiert war, ging bereits ein kollektives Raunen durch die japanische Delegation. Offenbar war man im Land der aufgehenden Sonne solch ausgeprägte Körpermaße bestenfalls von Sumo Ringern gewohnt. Ich meine das nur nett!! Dies war auch Fräulein Gabi nicht entgangen. Es folgte ein kurzer Blickwechsel und ein Augenzwinkern mit ihr, und ich wusste was zu tun war.
Ich erklärte, daß dies meine sehr freie Mitarbeiterin Gabi M. ist, welche aus dem kleinen polnischen Dorf namens " Hosnycidovize " stammt. Das war eine glatte Lüge, denn sie stammt in Wahrheit aus dem Örtchen " Cap " Dieses Dorf, so führte ich weiter aus, hat eine Einwohnerschaft von derzeit 16,5 Personen, und ist weder kartographiert, noch per GPS zu orten. Dennoch, so erkärte ich weiter, ist dieser Flecken der kaum grösser ist als eine durchschnittliche Raststätte an einer bundesdeutschen Autobahn, im Jahre 1982 zu weltberühmter Aufmerksamkeit gelangt.
Ich musste warten, bis die Dolmetscherin namens Liu Watanabe zu übersetzen versuchte. Ich war gespannt wie sie dies den an ihren Lippen hängenden Delegationsteilnehmern übersetzen würde, insbesondere " Hosnycidovize" Es hörte sich ungefähr so an: " Wakari masta hoi Gabeei M. chue hang honitang hoschneetschiigovadsschee uhooooh." Oder zumindest so ähnlich.
Die Teilnehmer namen Fräulein Gabi nun auf das aufmerksamste ins Visier.
" Sie ist nämlich die amtierende Weltmeisterin im Damenschwergewicht Boxen", fuhr ich fort, " und hat in einem Showkampf 1982 den damals noch sehr jungen und unbekannten Mike Tyson in der ersten Runde mittels technischem ko besiegt. Seither ist Mike Tyson nie wieder zu seiner ursprünglichen Form zurückgelangt." Das saß. Ich wartete bis diese Information von einer sichtlich nervös wirkenden Dolmetscherin übersetzt wurde. Stille! Dann wie auf kollektives Komando ging ein lautes AHHHH und OHHHH durch die Delegationsgruppe einhergehend mit sofortigem Digitalkamera geklicke. Fräulein Gabi lief auberginfarben im Gesicht an, was sie immer tut wenn sie kurz vor einem Lachkrampf steht. Ich setzte aber noch einen drauf. Das aufmerksame Florida Sun Forums Mitglied weiss das.
" Ich bitte sie dennoch", erklärte ich der erstaunten Menge, " keine Zigaretten oder Uhren noch Schmuck von ihr zu kaufen. Sie wird sie ihnen sicherlich anbieten. Seien sie umsichtig, denn die Ware ist vermutlich gefälscht oder geschmuggelt" Volltreffer!
Fräulein Gabi platzte nun mit einem donnerndem Gelächter herus, gekoppelt mit einem gewaltigen aufstampfen ihres rechten Fusses. Der Boden begann leicht zu vibrieren. Ich bemerkte das daraufhin alle Delegationsteilnehmer kollektiv einen 7/8 Schritt nach hinten machten und gleichzeitig erschrocken 5/6 Fuss hoch hüpften.
Nachdem Frau Watanabe sich die eine oder andere Schweissperle von ihrer Stirn tupfte und übersetzt hatte, begleitete ich die sichtlich irritierten Delegationsteilnehmer zurück zum Empfangsraum. Sie bedankten sich artig mit einer diesmal geringer ausfallenden 2/8 Verbeugung und hatten Eile unser Haus zu verlassen.

Wochen später erreichte uns ein Brief von Frau Watanabe. Im Umschlag befand sich ein Dankesschreiben und ein Ausschnitt einer Osaka Lokalzeitung mit einem Bild von Fräulein Gabi in Grossaufnahme mit weit aufgerissenen Augen und Mund. Sehr unvorteilhaft. Der dazugehörige Text lautete übersetzt etwa:" Lokale polnische Boxberühmtheit aus einem kleinen ehrenwerten Dorf auf dem Land arbeitet in einem der grössten Häuser in München als moralisch verworfene."

Es gab Zeitgenossen, die eine bilaterale Beeinträchtigung der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan sahen, und das dieser Vorfall bereits auf höchster Regierungsebene behandelt wurde, ja, das der japanische Tenno selbst mit darin verwickelt sei. Das war natürlich blühender Unsinn, denn wie jederman weiss, hat der japanische Kaiser nur Representationsrechte.
Aber, es gab daraufhin einen Austausch zwischen einem japanischen Bäcker und einem Bäcker aus unserem Haus für jeweils drei Monate im anderen Land. Und wer kann das schon von sich behaupten?

Ach ja, ich freu mich schon auf meine nächste Gruppe... icon_lol.gif icon_lol.gif

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10.04.12, 00:32
dreambiggt
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Bewertung: 0
unglaublich!
Hallo Palpatine,
das ist ja wirklich eine unglaubliche Geschichte! Da hast Du aber ganz schön vom Leisten gelassen, bravo!
Besonders das Kamerageklicke war natürlich zu erwarten-begleitet von verschämtem Gekicher???
Freu´mich schon auf weitere Berichte...
dreambiggt
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07.05.12, 18:08
Palpatine
Themenersteller, Member
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Bewertung: 1
Der " Erwachet " Zwischenfall
Ich hab ja mal wieder einen losgelassen, und das möcht ich Euch nicht vorenthalten. Dieser Bericht hat diesmal durchaus etwas mit dem Thema "Florida" zu tun.
Dennoch weise ich wie immer fürsorglich darauf hin, daß dieser kleine Beitrag für Kinder unter sechs Jahren, ( hoher Nachahmungseffekt) sowie Moralapostelanhänger, insbesondere der geistlich theologischen Fraktion, vollkommen ungeeignet ist. Sofern sie sich unter einen der genannten Gruppierungen wiedererkennen, wechseln sie bitte diese Seite und gehen moralisch nützlicheren Dingen nach.

Gut, das wäre also geklärt.

Es war am letzten Samstag. Ich hatte einen langen Arbeitstag hinter mir, und da uns an diesem Tag in München ein traumhafter Frühlingstag beschieden war, überlegte ich nicht lange und fällte in Sekundenbruchteilen die Entscheidung, meiner Leidenschaft als glühender Naturliebhaber nachzukommen und mein Seelenheil in der Stille und Abgeschiedenheit derselben zu suchen. Mit anderen Worten: Biergarten.

Das schöne ist, das die Natur nicht weit von meiner Produktionsstelle entfernt ist, genauer gesagt fünf Gehminuten zum Münchner Viktualienmarkt mit seinem naturbelassenen Biergarten.
Auf dem langen Weg dorthin stand an der rechten Seite des Maibaums inmitten des von mir so geschätzten Sanctuariums ein Vertreter der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Von weitem schon an der charakteristischen Körperhaltung zu erkennen: Die Hände vor der Brust mit einem Traktat "Erwachet"
Ich hatte zunächst gar nicht die Absicht mich an meinem Feierabend mit religiös theologischen Sachfragen zu beschäftigen, schon gar nicht in der seeligen Öde der wonnigen Natur und erst recht nicht Aufgrund des sich immer stärker in den Vordergrund drängenden Durstgefühls und die einhergehende Vorfreude auf ein frisch gezapftes Weissbier im geeisten Glas.
Der junge Mann jedoch hatte mich scheinbar schon im Visier, als ich den Markt betrat.
"Darf ich Ihnen eine Frage stellen?" fragte er mich sichtlich erfreut endlich einen Gesprächspartner gefunden zu haben. " Nun ja äh, ich äh bin eigentlich nicht..." erwiderte ich, weiter kam ich mit meinem Antwortsatz nicht.
"Oh, das macht gar nichts" freute sich der junge Mann mit gutem Haarschnitt und tadellos sitzendem grauen Anzug.
"Ich hab`s auch gleich," fuhr er unbeirrt fort." Wissen Sie eigentlich, daß das Ende der Welt und des Seins aller Dinge kurz bevor steht?" " Ich bin mir nicht sicher ob..." gab ich knapp zurück.
"Noch in diesem Sommer! Das ist ganz sicher, Alle Zeiche stehen dafür günstig",schleuderte er mir seelig strahlend entgegen. Ich überlegte kurz wie man denn einen bevorstehenden Weltenbrand mit solch einer glücklichen Mine entgegensehen konnte. Ich war tief beeindruckt.
"Haben Sie sich das schon mal überlegt? Kommen Sie doch zu einer unserer Seminare, und Sie werden errettet werden." Ich spürte wie sich allmählich meine Mundhöhle befeuchtete da sich unmittelbar neben mir der Bierausschank befand. Ich fühlte mich wie ein ausgedörrtes Dromedar in der Wüste Gobi.
Da fasste ich all meine letzten Reserven zusammen und begann mit einem Konter.
"Wann sagten Sie soll das passieren? Im Sommer?" fragte ich zuckersüss den adrett wirkenden Soldat des Glaubens. " Vor oder nach dem 29. Juli?" setzte ich nach. Der junge Mann mit dem perfekten Haarschnitt gefror das Lächeln auf seinem Antlitz. "Wie bitte, ich fürchte ich verstehe nicht ganz,"antwortete er mir in einem sichtlich nervösen und ungäubigen Flüsterton." Na, ganz einfach" erwiderte ich. " Wenn`s noch vor dem 29. Juli stattfindet, dann käme mir das sehr ungelegen. Denn dann müsste ich ja meine Florida Reise stornieren! Und darüber wären meine Frau und ich nicht sehr amüsiert! Wissen Sie eigentlich daß meine Frau bereits seit mehreren Wochen auf dem Kirschbaumfurnierten Esstisch unserer Essecke meterhohe Wäschehäufchen zu kunstvollen Türmen aufhäuft? Und daß es per Todesstrafe verboten ist sich auch nur ansatzweise in deren Nähe zu bringen? Ich renne seit Wochen im gleichen Gewand herum nur weil meine Frau sämtliche Textilien für den Urlaub reseviert hat und sie keine Lust hat alles nochmal durchzuwaschen denn sonst müsst ich nackig in den Urlaub fahren!!"

Der aufmerksame Leser wird sofort bemerken, daß einige Elemente aus der Rubrik Umfrage der Woche: Wann starten Sie mit dem Kofferpacken für Ihren Florida Urlaub? Titel: Rituale und Phobien vom 26.03.12 zur Anwendung gelangten.

Der junge Mann liess wortlos seine vor der Brust geschürzten Arme sinken, wobei ihm das "Erwachet" Traktat entglitt und auf den Boden fiel. Ich hob es ihm auf und blickte in müde Augen.
"So schaut`s nämlich aus gell", sagte ich noch liebevoll zum Schluss und verliess ihn.
Ich bin immer bemüht meinen Mitmenschen in dringlichen verzweifelten Grundsatzfragen hilfreich und edelmütig die passenden Antworten zu geben. Der aufmerksame Florida Sun Forums Leser weiss das.

Heute morgen hab ich die Geschichte meinem Arbeitskollegen dem Phillip erzählt. Seines Zeichens fanatisches Mitglied der Zeugen Jehovas, und ein selten gescheiter und vor allen Dingen lieber Mensch, mit dem ich oft Ausflüge in die Natur mache. Als ich fertig war mit meiner Erzählung hat er sich totgelacht. " Da geht mir aber jetzt ein Tröpferl in die Hose" lachte er. Den ganzen Tag über und jedesmal wenn wir uns über den Weg liefen heute, hat er mich angesehen und ständig gekichert.


Ach ja, mein Weissbier hab ich mir schmecken lassen, am Ende warens dann drei und ich genoss die Idyllische Ruhe inmitten der Natur....

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