Sonnenuntergang Fort Myers
Für viele Auswanderer weiterhin ein Traumziel. (Foto © franziskahoppe/AdobeExpress)
Vor 25 Jahren zog es Sonja Burkard von Hamburg nach Florida. Bis heute pflegt die Anwältin enge Kontakte nach Deutschland und pendelt regelmäßig zwischen den Kontinenten. Ihr Rat an Menschen, die in die USA auswandern möchten: »Entscheidend ist, den eigenen Traum konsequent zu verfolgen und sich von Rückschlägen nicht vom Weg abbringen zu lassen.« Mit ihrer in Fort Myers ansässigen Anwaltskanzlei ist Sonja Burkard selbst ein überzeugendes Beispiel dafür, wie dieses Lebensmotto erfolgreich umgesetzt werden kann.
FLORIDA SUN MAGAZINE: Frau Burkard, seit einem Vierteljahrhundert ist Ihre Kanzlei in Florida erfolgreich. Hätten Sie sich das träumen lassen?
Sonja K. Burkard: Die 25 Jahre sind rasend schnell vergangen, und natürlich hätte ich mir damals nicht träumen lassen, eine eigene Kanzlei mit teilweise mehr als 10 Mitarbeitern in Florida zu führen. Es war und ist eine wundervolle Herausforderung.
Hand aufs Herz: Haben Sie nach einem Vierteljahrhundert in Florida noch manchmal Heimweh nach der Elbe?
[Schmunzelt.] Ich bin in Hamburg geboren, aufgewachsen, habe dort Jura studiert und war dort knapp zehn Jahre als Staatsanwältin tätig. Da sind Norddeutschland im Allgemeinen und Hamburg im Besonderen natürlich mit allem, was dazugehört, in meinem System verankert. Auf der anderen Seite leben wir seit dreißig Jahren in Florida und lieben das Klima, die Weite und Groß- zügigkeit des Landes und die Freundlichkeit der Menschen. Wir reisen regelmäßig nach Deutschland, erhalten alte Kontakte aufrecht und können so das Beste aus beiden Welten genießen.
Wie haben sich die USA im Laufe der Zeit in rechtlicher Hinsicht verändert?
Das bundesweite Immigrationsrecht hat sich nicht wesentlich verändert, die Voraussetzungen zur Gewährung von Visa und Greencards und zur Erlangung der US-Staatsbürgerschaft sind größtenteils gleich geblieben. In jüngster Zeit haben die USA jedoch einige Visabestimmungen verschärft. So kündigte die Regierung im Januar aufgrund von Sicherheitsbedenken die Aussetzung von Visaverfahren für Bürger aus 75 Nationen an. Unter anderem wurde die Erteilung von Einwanderungsvisa an Bürger aus dem Iran, Russland, Nigeria, Pakistan, Somalia, Ägypten und Irak vorübergehend ausgesetzt. Die EU-Staaten und die Schweiz gehören nicht dazu. Betroffen von diesen Restriktionen sind zurzeit nur Visa, die zu einer dauerhaften Aufenthaltsberechtigung führen und damit den Antragstellern gegebenenfalls Zugang zum Sozialsystem ermöglichen. Auch das Greencard-Lotterie-Programm ist zurzeit ausgesetzt, da das Verfahren überarbeitet wird.
Was hat sich aus deutscher Sicht im Hinblick auf die Auswanderung in die USA verändert?
Mit der Änderung des deutschen Staatsangehörigkeitsgesetzes ist die Exklusivität der deutschen Staatsbürgerschaft entfallen. Es muss kein Beibehaltungsantrag mehr gestellt werden, da man grundsätzlich mehrere Staatsangehörigkeiten besitzen kann.
Würden Sie Auswanderern, die im Land wirtschaftlich Fuß gefasst haben, empfehlen, die US-Staatsbürgerschaft anzunehmen?
Wer die Möglichkeit hat, die US-Staatsbürgerschaft zu erlangen und darüber hinaus seine deutsche Staatsbürgerschaft zu behalten, sollte sie meines Erachtens nutzen, so lange sie noch besteht. Es ist fraglich, dass diese Option von Dauer sein wird, da es sowohl in Deutschland als auch in den USA bereits vermehrt Debatten darüber gibt, ob man nicht lediglich eine Staatsbürgerschaft zulassen sollte.
Was raten Sie Menschen, die aus Deutschland nach Florida auswandern wollen, um dort nicht nur anzukommen, sondern langfristig erfolgreich zu sein?
Man sollte gut vorbereitet sein und umfassend beraten in diesen neuen Lebensabschnitt gehen. Wichtig ist nicht nur eine immigrationsrechtliche Beratung, sondern auch eine im Hinblick auf die vermögensund steuerrechtliche sowie erbrechtliche Situation in den USA.
Wenn Sie auf die letzten 25 Jahre und Ihre Mandanten zurückblicken: Welche Veränderungen können Sie feststellen?
In unserer Kanzlei nehmen seit Jahren Anfragen aus dem deutschsprachigen europäischen Ausland zu, die eine allgemeine Unzufriedenheit mit den Lebensbedingungen in den Heimatländern widerspiegeln. Neben wirtschaftlichen Unsicherheiten und der Steuer- und Abgabenlast steht vor allem der Wunsch nach mehr Lebensqualität, Sonne, Flexibilität und persönlichem Gestaltungsspielraum im Vordergrund – Faktoren, die Florida für viele zum attraktiven neuen Lebensmittelpunkt machen.
Wie schätzen Sie die Zukunft Floridas als Lebens- und Arbeitsort ein?
Florida wächst seit Jahrzehnten kontinuierlich. Der Sunshine State hat derzeit knapp 23 Millionen Einwohner und ist damit der drittbevölkerungsreichste Bundesstaat der USA. In den vergangenen 25 Jahren lag der Nettozuzug bei rund 8 Millionen Menschen. Gründe dafür sind vor allem die dynamisch wachsende Wirtschaft, das Fehlen einer bundesstaatlichen Einkommensteuer, das milde Klima und die kulturelle Vielfalt. Gleichzeitig bringt das Wachstum aber auch Herausforderungen mit sich wie steigende Lebenshaltungskosten, Veränderungen im Immobilien-, Versicherungs- und Gesundheitswesen sowie Belastungen der Infrastruktur. Dennoch ist Florida nach wie vor für viele ein Traumziel. Für Auswanderer stehen natürlich ein gesicherter Aufenthaltsstatus und eine langfristig stabile finanzielle Basis im Mittelpunkt.
Wenn Sie der Sonja Burkard von vor 25 Jahren einen Rat mit auf den Weg geben könnten, welcher wäre das?
Es ist ein gewaltiger Schritt, von Deutschland nach Florida, also auf einen anderen Kontinent, auszuwandern. Es bedarf einer sehr gründlichen Planung zu allen Aspekten des neuen Lebens. Dazu gehört auch, ausreichende Sprachkenntnisse zu erlangen. Das Wichtigste aber ist, seinen Traum konsequent zu verfolgen und sich nicht durch Rückschläge vom Kurs abbringen zu lassen. Vor diesem Hintergrund würde ich der damaligen Sonja Burkard und auch jedem heutigen Einwanderer dringend raten, sich Zeit zu lassen, sich frühzeitig umfangreich beraten zu lassen und sich Experten in allen betroffenen Lebensbereichen zu suchen, die relevante Fragen zu juristischen und steuerlichen Aspekten sowie den Themen Immobilien, Versicherung und Gesundheit beantworten können. Die Annahme, dass schon alles so wie zu Hause sein wird, ist falsch.
Frau Burkard, herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!
Sonja. K. Burkard, ehemalige deutsche Staatsanwältin und Gründerin von BURKARD LAW FIRM, P.A., ist anwaltlich zugelassen in Deutschland, Florida und New York.
Telefon (239) 791-4400, E-Mail info@burkardlawfirm.