Greencard
Greencard 2026: Neue Regeln für Sponsoren und strengere Prüfungen – was Antragsteller jetzt wissen müssen. (Foto © DOC RABE Media / AdobeExpress)
Für Antragsteller ist dabei eine wichtige Unterscheidung zu beachten: Die neue DHS-Regel vom 18. September betrifft Anträge auf Admission sowie bestimmte Adjustment-of-Status-Verfahren innerhalb der USA. Sie regelt nicht unmittelbar, wie das State Department Einwanderungsvisa an US-Botschaften und Konsulaten beurteilt. Für konsularische Verfahren gelten eigene Vorgaben des State Department.
Neues Form I-864: Was sich für Greencard-Sponsoren ändert
USCIS veröffentlichte am 31. August 2026 eine neue Ausgabe des Form I-864, „Affidavit of Support Under Section 213A of the INA“, mit dem Editionsdatum 08/24/26. Das Formular wird insbesondere bei vielen familienbasierten Greencard-Verfahren benötigt und dokumentiert die finanzielle Verpflichtung des Sponsors.
Wie Newsweek berichtet, enthält die neue Version eine wichtige zusätzliche Bestimmung: eine Privacy Release, über die USCIS Informationen über den Sponsor bei einer oder mehreren Consumer Reporting Agencies anfordern kann. USCIS bestätigt diese Änderung auch auf seiner I-864-Seite.
Auch die Einwanderungskanzlei Fragomen weist in ihrer Zusammenfassung der Newsweek-Berichterstattung auf die Änderung für Greencard-Sponsoren hin.
Bedeutet das jetzt einen Credit-Score-Test für Sponsoren?
Die neue I-864-Fassung erlaubt USCIS, Informationen von Consumer Reporting Agencies anzufordern. Daraus sollte jedoch nicht abgeleitet werden, dass USCIS einen bestimmten Mindest-Credit-Score eingeführt hat. Auf der aktuellen I-864-Seite nennt die Behörde keinen solchen Schwellenwert und erläutert dort auch nicht abschließend, wie einzelne Informationen eines Consumer Reports bei einer Entscheidung gewichtet werden.
Für Sponsoren bleiben die bestehenden finanziellen Anforderungen maßgeblich. Das Affidavit of Support soll grundsätzlich nachweisen, dass der Einwanderer über ausreichende finanzielle Unterstützung verfügt. Bei den meisten I-864-Sponsoren liegt die Einkommensanforderung grundsätzlich bei mindestens 125 Prozent der geltenden Federal Poverty Guidelines, abhängig unter anderem von der Haushaltsgröße.
Achtung bei einem Credit Freeze
USCIS weist auf seiner aktuellen Formularseite ausdrücklich darauf hin, dass die neue I-864-Ausgabe eine Privacy Release enthält, die den Abruf von Informationen bei Consumer Reporting Agencies ermöglicht. Besteht ein Credit oder Security Freeze, sollten Sponsoren deshalb die aktuellen USCIS-Hinweise genau beachten, damit ein benötigter Datenabruf nicht unnötig verzögert wird.
Neue I-864-Version: Übergangsfrist bis 30. September
Bei der Einführung der neuen Version kam es zunächst zu Verwirrung. Die neue Ausgabe wurde am 31. August veröffentlicht. Zunächst wurde über eine sofortige Umstellung ohne Übergangsfrist berichtet. USCIS gewährt inzwischen jedoch eine 30-tägige Übergangsfrist: Bis einschließlich 30. September wird auch die bisherige Ausgabe mit Editionsdatum 10/17/24 akzeptiert.
Ab 1. Oktober 2026 akzeptiert USCIS nur noch die Ausgabe 08/24/26. Wer ein I-864 vorbereitet, sollte deshalb möglichst bereits die aktuelle Version verwenden und unmittelbar vor dem Einreichen noch einmal die USCIS-Formularseite prüfen.
Public Charge: Neue Regel tritt am 18. September in Kraft
Parallel zur Änderung des I-864 steht eine wesentlich umfassendere Änderung bevor. Das Department of Homeland Security veröffentlichte am 20. Juli 2026 eine Final Rule zur Public-Charge-Prüfung. Nach dem im Federal Register veröffentlichten Regelwerk wird sie ab 18. September 2026 wirksam.
Die Regel gilt nach ihrem Wortlaut für Anträge auf Admission ab dem 18. September 2026 sowie für bestimmte Adjustment-of-Status-Anträge, die an oder nach diesem Datum eingereicht werden. Für Leistungen, die vor diesem Stichtag bezogen wurden, enthält die Final Rule Übergangsbestimmungen.
Florida Sun hat die neue Public-Charge-Regel und ihre Bedeutung für Greencard-Antragsteller bereits ausführlich eingeordnet.
Was wird bei Public Charge künftig geprüft?
Die Entscheidung bleibt eine individuelle Gesamtbetrachtung des konkreten Falls. Zu den gesetzlich vorgesehenen Faktoren gehören unter anderem Alter, Gesundheit, familiäre Situation, Vermögen und finanzielle Mittel sowie Ausbildung und berufliche Fähigkeiten. Auch ein erforderliches Affidavit of Support kann in die Bewertung einfließen.
Mit der neuen Regel erhält DHS mehr Spielraum bei der Bewertung. Nach dem im Federal Register veröffentlichten Regelwerk können künftig auch bestimmte means-tested public benefits stärker in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden. Entscheidend bleibt jedoch die Bewertung der gesamten individuellen Situation und nicht ein einzelner Faktor allein.
Das Federal Register nennt in diesem Zusammenhang unter anderem Leistungen wie Medicaid und SNAP. Je nach Fall können beispielsweise Art, Dauer und Zeitpunkt eines Leistungsbezugs sowie weitere finanzielle und persönliche Faktoren berücksichtigt werden.
Eine einzelne Leistung bedeutet nicht automatisch eine Ablehnung
Die breitere Public-Charge-Prüfung bedeutet nicht, dass der Bezug einer einzelnen staatlichen Leistung automatisch zu einer Ablehnung der Greencard führt. DHS beschreibt die Prüfung als individuelle und faktenbezogene Entscheidung anhand der gesamten Umstände des jeweiligen Antragstellers.
Ebenso wenig bedeutet die neue I-864-Klausel, dass ein einzelner Credit Score künftig allein über die Eignung eines Sponsors entscheidet. Einen pauschalen Mindest-Credit-Score für I-864-Sponsoren hat USCIS bislang nicht veröffentlicht.
Interview-Pause: Separate Maßnahme des State Department
Von der DHS-Final-Rule muss die Situation bei US-Botschaften und Konsulaten getrennt werden. Fragomen berichtete Ende August, dass das State Department Einwanderungsvisa-Interviews vorübergehend pausierte beziehungsweise Termine verschoben wurden, während Konsularbeamte zusätzliche Schulungen zur Public-Charge-Prüfung absolvierten.
Diese Interview-Pause ist nicht dasselbe wie die neue DHS-Public-Charge-Regel. Die DHS-Regel betrifft insbesondere Admission und bestimmte Adjustment-of-Status-Verfahren. Konsularische Immigrant-Visa-Verfahren im Ausland fallen dagegen in die Zuständigkeit des State Department.
Die Lage bei den Konsulaten ist inzwischen zudem nicht mehr überall einheitlich. Reuters berichtete am 8. September, dass die Bearbeitung von Einwanderungsvisa zumindest für Ungarn und Polen wieder aufgenommen wurde, während die Pause andernorts noch fortbestand.
Ein allgemein gültiges Datum für die vollständige Rückkehr zum normalen Interviewbetrieb an allen betroffenen US-Auslandsvertretungen ist bislang nicht veröffentlicht worden. Antragsteller sollten deshalb den aktuellen Status ihres zuständigen Konsulats oder ihrer Botschaft prüfen und Mitteilungen zu bereits vereinbarten Terminen beachten.
Florida Sun hat die Hintergründe und Auswirkungen der Interview-Pause bei US-Einwanderungsvisa bereits ausführlich zusammengefasst.
Diese vier Termine sind jetzt wichtig
20. Juli 2026: DHS veröffentlicht die Public-Charge-Final-Rule.
31. August 2026: USCIS veröffentlicht die neue I-864-Ausgabe 08/24/26.
18. September 2026: Die DHS-Public-Charge-Regel wird nach derzeitiger Rechtslage wirksam.
1. Oktober 2026: USCIS akzeptiert nur noch die neue I-864-Ausgabe 08/24/26.
Was Sponsoren und Greencard-Antragsteller jetzt beachten sollten
Wer derzeit eine familienbasierte Greencard vorbereitet und ein I-864 benötigt, sollte prüfen, welche Formularversion verwendet wird. Ab 1. Oktober ist die Ausgabe 08/24/26 maßgeblich. Da das neue Formular eine Einwilligung zum Abruf von Informationen bei Consumer Reporting Agencies enthält, sollten Sponsoren außerdem die aktuellen USCIS-Hinweise zum Formular beachten.
Wer einen Antrag stellt, der unter die neue Public-Charge-Regel fällt, sollte zusätzlich den 18. September 2026 im Blick behalten. Die neue Regel erweitert den Bewertungsspielraum von DHS, ersetzt aber nicht die vorgeschriebene individuelle Prüfung der gesamten Umstände.
Einwanderungsregeln und laufende gerichtliche Verfahren können die Rechtslage kurzfristig verändern. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.