Ist der US-Einbürgerungstest zu einfach?
Wer sich in den USA einbürgern lassen möchte, muss bald vermutlich wieder mehr Fragen zu Gesellschaft und Geschichte des Landes beantworten können als derzeit. (Foto © Vitalii Vodolazskyi/Shutterstock.com)
Wie das Magazin Newsweek berichtet, erklärte Edlow gegenüber der New York Times, der US-Einbürgerungstest sei derzeit "nicht sehr schwierig" und ermögliche es den Immigranten, die Fragen und Antworten einfach auswendig zu lernen, was nicht dem "Geist des Gesetzes" entspreche. Im Rahmen des gegenwärtig angewandten Tests werden jeweils zehn von hundert möglichen staatsbürgerkundlichen Fragen gestellt, von denen die Bewerber mindestens sechs korrekt beantworten müssen. Er wurde 2008 unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush eingeführt; zuvor war der Staatsbürgerschaftstest nicht standardisiert gewesen, sondern hatte in hohem Maße auf dem Zufallsprinzip beruht. Während der ersten Amtszeit von Donald Trump war er auf 20 von 128 Fragen erweitert worden, von denen 12 korrekt beantwortet werden mussten. Die Regierung seines Nachfolgers Joe Biden war dann wieder zum ursprünglichen Prinzip zurückgekehrt; zu einer geplanten Überarbeitung war es nicht mehr gekommen. Laut Edlow soll künftig wieder der 20-von-128-Test zur Anwendung kommen.
Wie der USCIS-Direktor weiter ausführte, plane die Trump-Administration auch Änderungen im Hinblick auf die Vergabe des H-1B-Visums. Während dieses bislang vor allem dazu diene, junge Arbeitnehmer ins Land zu holen, die für noch relativ geringe Gehälter arbeiteten, sollten in Zukunft stattdessen vor allem ältere, höher bezahlte Ausländer das Visum erhalten. Kürzlich hatte das Ministerium für Innere Sicherheit (Department of Homeland Security, DHS), das dem USCIS vorsteht, bereits bekannt gegeben, das man darüber nachdenke, die Visa nicht mehr nach dem bislang angewandten Lotterieverfahren, sondern im Rahmen eines "gewichteten Auswahlprozesses" zu vergeben. Diese würde Edlows Vorhaben entgegenkommen.
Gemäß dem Institute of Progress, einem überparteilichen Thinktank, könnte der durch die Visumvergabe generierte ökonomische Wert der Visa um 88 Prozent steigen, wenn die Bewerber auf der Grundlage ihres Dienstalters und Gehalts bewertet würden. David Bier, zuständig für Immigrationsstudien am Cato Institute, einer der einflussreichsten Denkfabriken der USA, gab demgegenüber zu bedenken, dass durch die Vergabe von H-1B-Visa an die Bewerber mit den höchsten Gehältern ältere Arbeitnehmer bevorzugt würden, die nach einigen Jahren möglicherweise in den Ruhestand gingen oder das Land wieder verließen, während ausländischen Hochschulabsolventen auf diese Weise der Hauptweg in den US-amerikanischen Arbeitsmarkt versperrt würde. Im Hinblick auf die geplante Verschärfung des Einbürgerungstests merkte er an, es sei "seltsam" zu behaupten, der Test sei zu einfach, wenn "die meisten Amerikaner dabei durchfallen würden".