Miami
Fußgängerfreundliche Stadtviertel mit kurzen Wegen zu Restaurants, Geschäften und Parks gewinnen in Florida zunehmend an Bedeutung. (Foto © s4svisuals / AdobeExpress)
Florida galt lange als klassisches Autoland. Außerhalb weniger Stadtzentren waren Alltag und Mobilität fast vollständig auf das Auto ausgerichtet. Doch diese Entwicklung beginnt sich zu verändern. Vor allem in Südflorida entstehen derzeit Quartiere, die bewusst auf kurze Wege, öffentliche Plätze und eine höhere Aufenthaltsqualität setzen, wie Forbes berichtet.
Studie: Kurze Wege werden zum entscheidenden Wohnfaktor
Die aktuelle NAR-Studie zeigt deutlich, wie wichtig fußgängerfreundliche Wohnlagen für viele Amerikaner inzwischen geworden sind. 89 Prozent der Befragten halten sichere Gehwege und Spaziermöglichkeiten für wichtig. 82 Prozent möchten Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten oder Parks bequem zu Fuß erreichen können. Fast zwei Drittel (63 Prozent) wären sogar bereit, für ein solches Wohnumfeld einen höheren Kaufpreis zu bezahlen.
Die Studie macht aber auch einen Zielkonflikt sichtbar: Viele Menschen wünschen sich zwar kurze Wege, bevorzugen gleichzeitig freistehende Einfamilienhäuser mit großzügigen Grundstücken. Genau diese Kombination lässt sich in vielen Städten nur schwer verwirklichen.
Südflorida erlebt einen Wandel
Laut Forbes erlebt Südflorida derzeit seinen bislang stärksten Wandel hin zu fußgängerfreundlichen Stadtvierteln. Während echte Walkability früher fast ausschließlich auf Bereiche wie Brickell, South Beach oder einzelne Innenstädte beschränkt war, entstehen heute zunehmend sogenannte Mixed-Use-Districts. Dabei werden Wohnungen, Büros, Restaurants, Cafés, Geschäfte und kulturelle Angebote von Anfang an gemeinsam geplant, sodass viele Wege im Alltag zu Fuß zurückgelegt werden können.
Wer Florida lieber abseits der großen Metropolen erkunden möchte, findet jedoch auch in kleineren Städten viel Charme und kurze Wege. Einige besonders sehenswerte Orte stellte Florida Sun im Artikel über 15 besuchenswerte Kleinstädte in Florida vor.
Diese Projekte stehen beispielhaft für den Trend
Zu den größten Entwicklungen zählt das Miami Worldcenter. Das Projekt gilt nach Hudson Yards in New York als zweitgrößte mastergeplante Stadtentwicklung der USA. Rund um den Kaseya Center, Bayside Marketplace und die Waterfront entsteht ein zusammenhängendes Stadtquartier, das Wohnen, Hotels, Einzelhandel, Gastronomie und Unterhaltung auf engem Raum verbindet.
Auch der Nora District in West Palm Beach verfolgt dieses Konzept. Historische Lager- und Industriegebäude werden dort zu Restaurants, Cafés, Boutiquen und öffentlichen Treffpunkten umgebaut. Begrünte Innenhöfe, Kopfsteinpflaster und schattige Wege sollen dazu beitragen, dass Besucher und Bewohner mehr Zeit im öffentlichen Raum verbringen.
In Fort Lauderdale entwickelt sich Las Olas zunehmend zu einem der fußgängerfreundlichsten Stadtviertel Südfloridas. Die Riverwalk-Promenade verbindet Restaurants, Museen, Parks und Einkaufsmöglichkeiten miteinander. Ergänzt wird das Viertel durch den neu gestalteten Huizenga Park, der mit Veranstaltungen, Grünflächen und Aufenthaltsbereichen zusätzliche Besucher anzieht.
Auch FAT Village wird derzeit zu einem modernen Mixed-Use-Quartier umgebaut, das Wohnen, Büros, Einzelhandel und Kultur miteinander verbindet.
Mehr als nur schöne Gehwege
Nach Einschätzung von Forbes geht es bei den neuen Projekten nicht nur darum, breitere Bürgersteige zu bauen. Projektentwickler investieren gezielt in Quartiere, in denen Menschen wohnen, arbeiten, einkaufen und ihre Freizeit verbringen können, ohne für jede Erledigung das Auto nutzen zu müssen. Erdgeschossflächen mit Restaurants und Geschäften, öffentliche Plätze, schattenspendende Bäume sowie die Nähe zu Verkehrsanbindungen wie der Brightline-Bahn gehören heute häufig zum Gesamtkonzept.
Was bedeutet das für Auswanderer?
Gerade für Auswanderer, Snowbirds und Immobilienkäufer kann diese Entwicklung interessant sein. Wer eine Immobilie in Florida sucht, achtet zunehmend nicht nur auf Hausgröße oder Preis, sondern auch darauf, wie komfortabel sich der Alltag gestalten lässt. Wohnlagen mit kurzen Wegen zu Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, Parks oder kulturellen Angeboten gewinnen deshalb für viele Käufer an Bedeutung.
Wenn Sie überlegen, welcher Ort in Florida am besten zu Ihren Vorstellungen passt, finden Sie weitere Inspiration in unserem Beitrag über 15 besuchenswerte Kleinstädte in Florida. Gerade kleinere Städte verbinden häufig eine hohe Lebensqualität mit einer angenehmen, gut zu Fuß erkundbaren Innenstadt.
Fazit
Die neue NAR-Studie und die aktuellen Stadtentwicklungen in Südflorida zeigen dieselbe Richtung: Wohnqualität wird für viele Menschen zunehmend daran gemessen, wie gut sich der Alltag zu Fuß bewältigen lässt. Während Florida weiterhin ein Autostaat bleibt, entstehen vor allem in den Ballungsräumen immer mehr Quartiere, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit auf engem Raum miteinander verbinden und damit einem veränderten Lebensstil Rechnung tragen.