Restaurant Rechnung
Zahlen im Restaurant (Foto © SASITHORN / AdobeExpress)
Diese Zusatzgebühren müssen Restaurants offenlegen
Das Gesetz verwendet dafür den Begriff „operations charge“. Die entsprechende Regelung ist in Floridas Statutes unter Section 509.214 festgelegt. Darunter versteht Florida eine automatisch erhobene Gebühr, die zusätzlich zum Preis der Speisen und Getränke bezahlt werden muss und keine staatlich erhobene Steuer ist. Dazu können ausdrücklich Service Charges, automatische Trinkgelder, Kreditkartenzuschläge und Liefergebühren gehören. Die Aufzählung im Gesetz ist nicht abschließend. Wie My News 13 berichtet, müssen Restaurants ihre Gäste seit Juli bereits vor der Bestellung über solche Gebühren informieren.
Für Restaurantbesucher bedeutet das: Erhebt ein Betrieb eine solche verpflichtende Gebühr, muss er sowohl deren Höhe beziehungsweise Prozentsatz als auch ihren Zweck angeben. Die Gesetzeszusammenfassung des Florida Senate erläutert diese neuen Offenlegungspflichten ebenfalls. Bei einem klassischen Restaurant muss diese Information auf der Speisekarte erscheinen. Wird über eine Website oder App bestellt oder gibt es einen schriftlichen Vertrag – etwa beim Catering –, muss die Angabe dort ebenfalls erfolgen, soweit dies für den jeweiligen Betrieb zutrifft.
Kleingedrucktes reicht nicht mehr
Die Gebühr darf nicht irgendwo im kaum lesbaren Kleingedruckten versteckt werden. Auch lokale Berichte zur neuen Regelung weisen darauf hin, dass die Hinweise für Gäste gut sichtbar sein müssen. Nach dem Gesetz muss der Hinweis mindestens in derselben Schriftgröße erscheinen wie die Beschreibungen der Gerichte beziehungsweise die allgemeinen Bestimmungen eines schriftlichen Vertrags. Gibt es keine klassische Speisekarte oder keinen Tischservice, muss der Hinweis gut sichtbar auf dem Menu Board oder auf einem deutlich lesbaren Schild am Kassenbereich stehen.
Damit soll der Gast bereits beim Bestellen erkennen können, welche verpflichtenden Zusatzkosten zum angegebenen Preis hinzukommen. Das Gesetz verbietet Restaurants also nicht, solche Gebühren zu erheben. Neu ist vielmehr, dass Höhe beziehungsweise Prozentsatz und Zweck transparent offengelegt werden müssen.
Auch die Rechnung muss übersichtlicher werden
Die Transparenzpflicht endet nicht bei der Speisekarte. Auf der Rechnung muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass eine „operations charge“ enthalten ist – einschließlich des Betrags oder Prozentsatzes. Auf dem Beleg müssen außerdem Gratuity beziehungsweise Tip, Operations Charge und Sales Tax getrennt ausgewiesen sein. Enthält die Operations Charge ein automatisches Trinkgeld, muss auch dieser Anteil separat auf dem Beleg erscheinen.
Gerade das dürfte Restaurantgästen helfen, eine Rechnung schneller zu verstehen. Denn bislang konnte beispielsweise eine pauschale Servicegebühr auf der Rechnung auftauchen, während gleichzeitig noch eine zusätzliche Tip-Zeile angeboten wurde. Das neue Gesetz soll für mehr Klarheit sorgen, welche Beträge verpflichtend berechnet werden und wo ein zusätzliches Trinkgeld tatsächlich freiwillig ist. Das South Florida Business Journal berichtet aktuell, dass die neuen Offenlegungspflichten deshalb auch die Preisstrategien von Restaurants stärker in den Fokus rücken.
Service Charge auf der Rechnung: Muss man trotzdem Trinkgeld geben?
Hier lohnt sich ein genauer Blick. Florida definiert „gratuity“ oder „tip“ als eine freiwillige Zahlung, deren Zahlung und Höhe im Ermessen des Kunden liegen. Eine Operations Charge dagegen ist eine verpflichtende Zusatzgebühr. Deshalb sollte ein Gast nicht allein aufgrund der Bezeichnung „Service Charge“ davon ausgehen, dass dieser Betrag automatisch vollständig als Trinkgeld an die Bedienung geht. Entscheidend ist, was das Restaurant zur Gebühr und ihrem Zweck angibt.
Auch die US-Steuerbehörde IRS unterscheidet zwischen freiwilligem Trinkgeld und verpflichtenden Servicegebühren. Eine automatisch aufgeschlagene Gebühr – beispielsweise 18 Prozent für eine größere Gruppe – gilt steuerlich grundsätzlich als Service Charge und nicht als Tip, weil der Gast weder über die Zahlung noch über deren Höhe frei entscheidet. Ein zusätzlich freiwillig gezahlter Betrag kann dagegen als Trinkgeld gelten, wie die IRS in ihren Erläuterungen zu Trinkgeldern und Servicegebühren ausführt.
Für Restaurantbesucher lautet die praktische Konsequenz daher: Vor einem zusätzlichen Tip erst die Rechnung prüfen. Ist bereits eine automatische Gratuity enthalten, muss diese nach dem neuen Florida-Gesetz separat angegeben werden. Steht lediglich eine andere Service- oder Operations-Gebühr auf der Rechnung, lohnt sich ein Blick auf die zuvor ausgewiesene Erklärung des Restaurants, um zu erkennen, wofür sie erhoben wird.
Die Regel gilt nicht für jedes Essensangebot
Eine Ausnahme nennt das Gesetz ausdrücklich: Die zusätzlichen Offenlegungsvorschriften gelten nicht beim Kauf eines Dining Plans, Packages oder Fixed-Price Meals, wenn dem Kunden der Preis dieses Angebots bereits vor dem Kauf offengelegt wurde.
Was Restaurantgäste in Florida jetzt beachten sollten
Wer essen geht, sollte deshalb nicht erst beim Gesamtbetrag auf der Rechnung hinschauen. Entscheidend ist bereits die Speisekarte: Tauchen Begriffe wie Service Charge, Automatic Gratuity, Credit Card Surcharge oder Delivery Fee auf, müssen Höhe oder Prozentsatz und Zweck der verpflichtenden Gebühr angegeben sein. Auf der späteren Rechnung und dem Beleg lässt sich anschließend kontrollieren, wie die einzelnen Posten berechnet wurden.
Die neuen Regeln sorgen damit nicht zwangsläufig für niedrigere Restaurantrechnungen – wohl aber für mehr Transparenz darüber, was am Ende tatsächlich bezahlt werden muss. Gerade für Urlauber, die mit den in den USA verbreiteten Trinkgeld- und Service-Charge-Modellen nicht vertraut sind, dürfte das den Restaurantbesuch ein Stück übersichtlicher machen.