Sturm am Strand
Rekordruhe über dem Atlantik: Trotz laufender Hurrikansaison hat sich 2026 bislang noch kein Hurrikan gebildet – Entwarnung für Florida gibt es dennoch nicht.
Noch kein einziger Hurrikan im Atlantik
Eigentlich befindet sich die atlantische Hurrikansaison gerade in ihrer aktivsten Phase. 2026 sieht die Situation jedoch völlig anders aus. Wie PBS berichtet, haben sich bislang lediglich fünf benannte Tropenstürme entwickelt – aber kein einziger Hurrikan. Damit erlebt der Atlantik den langsamsten Saisonstart seit Beginn der modernen Satellitenbeobachtung.
Der bisherige Verlauf ist außergewöhnlich. Seit Beginn der Satellitenära im Jahr 1966 war der Atlantik zu diesem Zeitpunkt noch nie ohne Hurrikan geblieben. Auch aktuelle Daten des National Hurricane Center und Accuweather bestätigen die ungewöhnliche Ruhe: Mit Stand vom 18. September befindet sich kein tropischer Wirbelsturm im Atlantik.
Warum ist die Hurrikansaison 2026 so ruhig?
Einer der wichtigsten Gründe ist El Niño. Das Wetterphänomen verändert die Luftströmungen über dem Atlantik und verstärkt die sogenannte vertikale Windscherung. Wie NOAA erklärt, können unterschiedliche Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten in verschiedenen Höhen die Organisation tropischer Systeme stören und verhindern, dass sie sich zu Hurrikanen verstärken.
Doch El Niño ist nicht der einzige Faktor. Associated Press berichtet, dass in diesem Jahr gleich mehrere ungünstige Bedingungen zusammenkommen: starke Windscherung, trockene Luft und absinkende Luftmassen. Sie alle erschweren die Entwicklung tropischer Wirbelstürme. NOAA hatte seine Prognose deshalb bereits im August angepasst und sieht für 2026 eine 75-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Atlantik-Saison.
Ein weiterer Rekord könnte folgen
Noch ist die Rekordjagd möglicherweise nicht vorbei. Wie PBS berichtet, gab es zuletzt 1941 eine Saison, in der der erste Hurrikan erst so spät im September entstand. Historische Vergleiche aus der Zeit vor Satelliten sind allerdings schwierig, da Stürme über dem offenen Atlantik damals unentdeckt geblieben sein könnten.
Tatsächlich sind in den historischen Aufzeichnungen nur 1907 und 1914 als Atlantik-Saisons ohne einen einzigen Hurrikan verzeichnet. Ob 2026 ebenfalls in diese äußerst seltene Kategorie fällt, ist noch offen. Meteorologen warnen ausdrücklich davor, aus dem ungewöhnlich ruhigen Saisonstart bereits auf den Rest der Saison zu schließen.
Was bedeutet El Niño für Florida?
Für Florida hat El Niño die Hurrikangefahr in diesem Jahr bislang deutlich gedämpft. Doch das Wetterphänomen könnte sich im kommenden Winter auf andere Weise bemerkbar machen. Wie die Tampa Bay Times berichtet, bringen El-Niño-Winter Florida tendenziell kühlere und feuchtere Bedingungen. Gleichzeitig können die Voraussetzungen für schwere Gewitter und Tornados zunehmen.
Warum Florida trotzdem vorbereitet bleiben sollte
Die atlantische Hurrikansaison endet offiziell erst am 30. November. NOAA weist zudem darauf hin, dass eine insgesamt unterdurchschnittliche Saison nichts darüber aussagt, ob eine bestimmte Region von einem Sturm getroffen wird. Selbst in einer ruhigen Saison kann ein einzelner Hurrikan erhebliche Schäden verursachen.
Gerade für Florida ist deshalb ein Blick in die Vergangenheit interessant. Wie PBS berichtet, war auch die Hurrikansaison 1992 insgesamt vergleichsweise ruhig. Trotzdem brachte sie Hurrikan Andrew hervor, der als Kategorie-5-Hurrikan Südflorida traf. Eine ruhige Saison bedeutet also nicht automatisch eine ungefährliche Saison.
Rekordruhe – aber noch keine Entwarnung
Für Florida ist die außergewöhnlich ruhige Hurrikansaison bislang zweifellos eine erfreuliche Entwicklung. Ob der Atlantik tatsächlich bis zum Saisonende ohne Hurrikan bleibt, lässt sich Mitte September jedoch noch nicht sagen. Das National Hurricane Center beobachtet die Tropen deshalb weiterhin täglich – und für Floridas Bewohner gilt trotz Rekordruhe: vorbereitet bleiben.