Hurrikan Melissa
Blick von oben auf Melissa, den drittintensivsten Hurrikan, der je über der Karibik beobachtet wurde (Foto © alones/Adobe Stock)
Wie WGCU ausführt, hatten alle drei führenden US-amerikanischen Wettervorhersageinstitutionen – das private Unternehmen AccuWeather, die Colorado State University und der National Weather Service – mehr benannte Stürme prognostiziert, als tatsächlich auftraten. Mit der von ihnen unisono getroffenen Vorhersage, dass diese Saison im Hinblick auf die Entwicklung von schweren Hurrikanen über dem Durchschnitt liegen würde, lagen sie gleichwohl richtig: Es traten nicht weniger als drei Hurrikane der höchsten Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 252 Stundenkilometern auf. Einer davon, Melissa, der Ende Oktober vor allem in Jamaika sowie in Kuba und auf den Bermudainseln schwere Schäden anrichtete, war mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Stundenkilometern sogar der drittintensivste Sturm, der jemals in der Karibik verzeichnet wurde, und der stärkste, der je beobachtet wurde, während er auf Land traf.
So lässt sich konstatieren, dass die diesjährige Tropensturmsaison zwar die erste seit einem Jahrzehnt war, in der kein Hurrikan auf US-amerikanisches Festland traf. Mit dreizehn benannten Tropenstürmen und fünf Hurrikanen lag sie aber im langjährigen Durchschnitt. Im Übrigen verursachten einige der Hurrikane durchaus Flutschäden an der US-Ostküste, obwohl sie nicht auf Land trafen: So führte Erin, ein weiterer der drei Superhurrikane dieser Saison, als er über den Atlantik am amerikanischen Kontinent vorbeizog, zu einer starken Erosion floridianischer Strände.
Dass es in diesem Jahr für die USA nicht schlimmer kam, war im Übrigen auch schlicht einem glücklichen Zufall zu verdanken: Der Ende September entstandene Kategorie-2-Hurrikan Imelda bewegte sich bereits auf Florida zu, als er vom Kategorie-5-Hurrikan Humberto, der einige Hundert Meilen weiter östlich über den Atlantik tobte, abgelenkt wurde – ein sehr selten beobachtetes Phänomen, das als Fujiwhara-Effekt bezeichnet wird: Wenn zwei Wirbelstürmer aufeinandertreffen, umkreisen sie einander und drehen sich um einen Punkt zwischen ihnen.