Marc Joseph ist Immobilienmakler in Fort Myers. Ein Job, um den er derzeit eigentlich nicht zu beneiden wäre. Allein in Lee County betrug die Zahl der Zwangsvollstreckungen im Juni dieses Jahres 3.749 Objekte. In Cape Coral, der besonders bei Deutschen beliebten Wohngegend mit hübschen Einfamilienhäusern und Zugang zum Golf von Mexiko, hat es in den vergangenen Wochen Hunderte »Foreclosures« (Zwangsvollstreckungen) gegeben. Schwierige Situation.
Aber heute geht es nicht um Trübsalblasen, sondern um Aufbruchstimmung. Joseph leitet eine Bustour zu leer stehenden Häusern, auf der Kaufinteressierte von den Immobilien überzeugt werden sollen. Der Makler begrüßt ein gutes Dutzend potenzieller Käufer in seinem grün gestrichenen Vehikel (Motto: »Watch your investment grow!«). Keines der Häuser sei perfekt, sagt Joseph, während seine Mitarbeiterin gekühlte Getränke und Sandwiches anbietet. »Aber viele sind in überraschend gutem Zustand.«
Die Idee für die Busfahrt hatte Joseph, der seit 17 Jahren im Immobiliengeschäft in Südwestflorida tätig ist, schon vor einigen Monaten. »Die Hauspreise sind so tief wie seit Jahren nicht mehr«, sagt der Leiter der »Foreclosure Tours R Us«. Jetzt sei der richtige Moment, zuzuschlagen und sich Schnäppchen zu sichern.
Während seiner rund zweieinhalbstündigen Touren chauffiert der findige Unternehmer seine Gäste mal zu Häusern mit angesagten Preisen von über einer halben Million Dollar in South Fort Myers, Miromar Lakes oder den Gulf Harbour Townhomes. Dann wieder organisiert er Trips zu preiswerteren Objekten in weniger exklusiven Nachbarschaften. »Die Nachfrage ist da – wir müssen nur entsprechend auf sie reagieren«, verscheucht Joseph das allgemeine Lamento, das sich in den vergangenen Jahren über seine Branche gelegt hat.
Heute steht die Tour unter dem Motto »Handyman Special« – Häuser für Leute mit niedrigem Einkommen, die bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln und ihr neues Heim mit Fleiß und Geschick wieder auf Vordermann zu bringen. In einem der Objekte in Lehigh Acres ist der Zustand von Wänden und Teppichen nicht gerade einladend. »Hier ist viel Arbeit nötig«, sagt Marc Joseph. Ein junger Mann winkt ab. »Das kann ich niemals alles renovieren«, erzählt er. Auf der Bustour fährt er heute zum ersten Mal mit. Dass alle Häuser, die hier angeboten werden, unfreiwillig verlassen wurden, stört ihn nicht: »Ich muss die Leute ja nicht persönlich rausschmeißen.«Eine 22-jährige Mitfahrerin denkt darüber nach, sich zusammen mit ihrem Freund eigene vier Wände zu leisten.
Das nächste Haus gefällt ihr. Der letzte Käufer zahlte für die Immobilie im Dezember 2005 noch 295.500 Dollar – heute wird sie für 121.900 Dollar angeboten. Dennoch hat die Bank seit der Zwangsvollstreckung vor mehreren Monaten keinen Käufer gefunden. Da der vorherige Besitzer seine Hypothek nicht mehr zahlen konnte, ging das Haus zurück an die Bank. Nur 3.000 bis 5.000 Dollar seien nötig, um es einzugsfertig zu machen, rechnet Joseph vor – und wirbt mit einer Faustregel: »Wer ein Eigenheim in Raten abbezahlt und dafür pro Monat weniger ausgibt als für die Miete in einem vergleichbaren Haus, kann nichts falsch machen.«Eigentlich hatte sich Marc Joseph zu seinem 40. Geburtstag eine Dodge Viper oder Corvette kaufen wollen – am Ende entschied er sich für den grünen Bus und eine ungewöhnliche Geschäftsidee.
Ein Schritt, den er nicht bereut hat. »Ich habe momentan mehr Spaß als jemals zuvor in meinem Berufsleben«, sagt er voller Überzeugung. »Man muss in einem Markt wie diesem halt nur ein bisschen Fantasie aufbringen.« Tatsächlich waren auf Floridas Immobilienmarkt der Fantasie lange Zeit keine Grenzen gesetzt. Massenhaft hatten die Käufer während der vergangenen Jahre Kredite zum Erwerb von Eigenheimen und Appartements aufgenommen. Doch irgendwann war der Immobilienmarkt überspekuliert, inflationsträchtig.






