31. 01. 2017
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Leben & Gesellschaft

Finanzstandort Jacksonville: Wallstreet goes Florida

Angesichts hoher Fixkosten am Börsenstandort New York gehen immer mehr globale Finanzunternehmen dazu über, einen Teil ihres Geschäfts in weniger kostenintensive US-Regionen auszulagern – beispielsweise nach Florida.

Autor: Patrick Pohlmann

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Wie die Bloomberg Businessweek berichtet, existieren etwa in der nordfloridianischen Stadt Jacksonville mittlerweile Niederlassungen von JPMorgan Chase, Wells Fargo, der Bank of America, der Citigroup, der Deutschen Bank und der in Sydney beheimateten Macquarie Group. Von den über 19.000 Arbeitsplätzen, die infolgedessen dort entstanden sind, wurde der Großteil mit lokalen Arbeitskräften besetzt, lediglich das Führungspersonal wurde aus den Zentralen an die Küste entsandt. Der neue Trend, der in Anlehnung an den Begriff "offshoring" als "nearshoring" bezeichnet wird, steht ganz im Einklang mit der erklärten Politik des neuen US-Präsidenten Trump, Arbeitsplätze in den USA zu erhalten, statt sie in andere Länder wie etwa Indien auszulagern.

Modernste Technik macht es möglich, die Standorte an der Wall Street und im Sunshine State praktisch nahtlos miteinander zu verbinden und den Wertpapierhandel von den Schreibtischen in Florida aus per Video-Liveschaltung zur Wall Street in Echtzeit zu erledigen. Während Investmentbanken früher hauptsächlich mit der Geschäftstätigkeit nicht unmittelbar verbundene Bereiche wie die Buchhaltung, die Rechts- oder technische Abteilung in Außenstellen verlegten, hat sich etwa die Jacksonville-Niederlassung der Deutschen Bank inzwischen zum zweitgrößten US-Standort des Unternehmens ausgewachsen.

Wie das Immobilienberatungsunternehmen Jones Lang LaSalle gegenüber der Bloomberg Businessweek äußerte, betragen die Mietkosten für High-End-Büroflächen in Jacksonville mit rund 240 Dollar pro Quadratmeter lediglich ein Viertel jener in New York City und liegen darüber hinaus unter denen der meisten von der Firma gelisteten US-amerikanischen Großstädte. In Anbetracht der geringeren Lebenshaltungskosten sind auch die Löhne im Schnitt 30 Prozent niedriger als in der Börsenstadt. Darüber hinaus versüßen bundesstaatliche und lokale Steueranreize den Unternehmen die Ansiedlung in Florida.

Für die Mitarbeiter wiederum hängt die Entscheidung darüber, ob sie dem Sunshine State den Vorzug gegenüber der ewigwachen Metropole geben, vor allem vom persönlichen Lifestyle ab: Für viele stellt die Möglichkeit, nach Feierabend surfen gehen zu können und nur fünfzehn Autominuten vom Büro entfernt zu wohnen, einen großen Gewinn an Lebensqualität dar, für den sie gern bereit sind, ein geringeres Gehalt in Kauf zu nehmen. Für eingefleischte Großstädter dagegen ist der Wechsel nach JAX, wie Jacksonville von Einheimischen genannt wird, sicher eine große Umstellung.

 
  
31. 01. 2017
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