02. 01. 2017
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Reisen

Cuba Libre: Tampas kubanische Gemeinde

Zigarren, Rumcocktails und jede Menge Aufbruchsstimmung: Im Stadtteil Ybor City in Tampa ist seit jeher das Flair der Zuckerinsel zu spüren. Jetzt bringt die Annäherung zwischen den USA und Kuba auch für die alte Zigarrendrehermetropole neue Perspektiven.

Autor: Friedrich Schroeder

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Die alten Gebäude verströmen den morbiden Charme der Gründerzeit, kleine Zigarrenläden reihen sich an Bars und Restaurants, Galerien, Boutiquen und Tattoostudios. Hie und da strömt noch das Flair von damals aus den Läden. Der würzige Rauch von Zigarren sowieso. Das ganz große Flanier-Kino ist das noch nicht. Aber man müht sich sichtlich, der urbanen Meile wieder alten Glanz zu verleihen.

Einst war die 7th Street in Ybor City der Nabel der Zigarrenwelt. Am besten lässt sich die Nostalgie des blauen Dunstes im Showroom der Handelskammer spüren, einem stattlichen Bau aus der damaligen Zeit. Oder auch bei der J.C. Newman Cigar Company, seit 1895 im Familienbesitz und mit Marken wie Cuesta Rey, Diamond Crown, La Unica und Rigoletto unter Freunden einer gepflegten Belicoso oder Corona beliebt. Viele der alten Bauten sind inzwischen restauriert. Mit seinen Restaurants, Bars und dem kleinen Shoppingcenter ist das Centro Ybor so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt des Viertels. In Läden wie Nicahabana Cigars oder Ybor Cigars Plus kann man den geübten Zigarrenrollern bei ihrem Handwerk zuschauen. Und wenn man Glück hat, gibt’s Livemusik und Mojitos gleich dazu.

Am Abend erwacht das in der Hitze des Tages vor sich hindösende Viertel dann endgültig zum Leben. Pickups, Oldtimer und knatternde Harley-Davidsons rollen langsam entlang der 7th Street mit ihren grellen Leuchtreklamen. Vor allem am Wochenende strömt die Jeunesse dorée der Stadt nach Ybor City und mischt sich dort mit Besuchern aus aller Welt, um zu feiern. Dann ertönt lateinamerikanische Musik aus den Cafés und Bars, der Duft kreolischer und kubanischer Küche wabert in der Luft und Touristen wie Einheimische flirten um die Wette.

Bei Cocktails und Zigarren reden die kubanischstämmigen Einwohner Ybor Citys heute viel über die Annäherung zwischen ihrer alten und ihrer neuen Heimat. Für sie war es ein Jahrhundertereignis, als Barack Obama im März 2016 als erster US-Präsident seit 1928 Kuba besuchte und in seiner Rede dazu aufrief, das Handelsembargo vollständig aufzuheben. Für Tampa könnte dies zu einem neuen Boom führen – etwa als Hafen für Fährverbindungen nach Kuba. Da mögen die »Verwandten« in Miami noch so sehr schimpfen über das neue Tauwetter.

Und überhaupt: Ein besseres »Cuban Sandwich« als in Miami mache man hier in Tampa sowieso, davon sind die Einheimischen seit jeher überzeugt. Erstmals serviert wurde es Berichten zufolge zwar in beiden Städten im Jahr 1947. In der Variante aus Tampa liegen neben Schinken, gegrilltem Schweinefleisch, Schweizer Käse, Gurken und Senf aber auch noch Salami und Mayonnaise zwischen den
beiden Baguettehälften. Etwas, was man in Miami für absolut inakzeptabel hält. Nicht nur auf politischer Ebene hegen die Kubaner im Sunshine State halt so ihre Differenzen...

MULTIKULTI IM BLAUEN DUNST
Im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte der aus Spanien stammende Zigarrenfabrikant Vicente Martinez-Ybor hier eine Fabrik gegründet. Schnell folgten andere Zigarrenhersteller. Gastarbeiter aus Kuba, aber auch Italien, Spanien und Deutschland, fanden in den Manufakturen Arbeit – und prägten mit ihrer jeweiligen Kultur die Stadt.

Der kubanische Einfluss erwies sich im Laufe der Zeit als am vitalsten – kubanische Restaurants, eine duftende Kaffeerösterei, Zigarrenläden und lebendige lateinamerikanische Feste zeugen bis heute davon, obwohl die Fabriken längst stillgelegt wurden. Von der Insel selbst war man seit dem 7. Februar 1962, dem Beginn des durch die USA verhängten Embargos, indes abgeschnitten. Nach Castros Revolution flüchteten viele Kubaner Richtung Florida, vor allem nach Miami. Sie sehen die jüngste Annäherung an das Castro-Regime deshalb auch sehr viel kritischer als die Tampa-Kubaner, deren Vorfahren Ende des 19. Jahrhunderts ihre Heimat zwar aus wirtschaftlicher Not, aber freiwillig verlassen hatten.

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