01. 07. 2012
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Reisen

Everglades-Exkursion: Durch den »River of Grass«

Eine der besten (und sportlichsten) Möglichkeiten, die Everglades zu erkunden, ist eine Kanuwanderung. Anders als auf den Fußwegen und den gepflasterten Straßen des Parks, lernen Besucher im Kanu die unmittelbare Wildnis kennen.

Autor: Sarah Czuratis

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Wir stehen am Ufer des Nine Mile Pond, eines künstlich erschaffenen Teiches auf halbem Wege zwischen dem Coe Visitors Center und Flamingo im Everglades Nationalpark. In Schwimmwesten geschnallt und mit Paddeln bewaffnet, steigen wir in unser Kanu. D.W. Crouch, unser Tourguide, schiebt uns hinaus aufs offene Wasser. »Wir treffen uns auf der anderen Seite«, sagt er und zeigt auf den weißen Pfahl, der am anderen Ende des Teiches aus dem Wasser emporragt und den Start unseres Kanuwanderwegs markiert.

»Achtet darauf, dass ihr dem Burschen dort aus dem Weg geht«, ruft er uns noch hinterher. Und meint mit »Burschen« jenen Alligator, der mitten im Teich still auf der Wasseroberfläche liegt und sich in der Mittagssonne aalt. Wie befohlen, paddeln wir weitläufig um das Reptil herum, das uns neugierig aus den Augenwinkeln zu beobachten scheint. Es ist unsere erste Begegnung mit einem Alligator auf dieser dreistündigen Fahrt – und es soll nicht die letzte sein.

Die von einem Ranger geführte Rundtour im Kanu wird vom Parkservice während der kühleren Monate kostenlos angeboten (inklusive Kanus, Paddel und Schwimmwesten) und verspricht ein lehrreiches und abenteuerliches Outdoor-Erlebnis. Streng genommen ist unser Guide allerdings gar kein Ranger, denn Crouch ist ehrenamtlich für den Park tätig. Er erweist sich jedoch als erfahrener Kanute, ist schon in Alaska und Maine gepaddelt und gibt uns ausgiebige Einweisungen zur Rudertechnik, bevor es hinaus aufs Wasser geht.

Am Markierungspfahl angekommen, warten wir auf die anderen Teilnehmer der Truppe, bevor wir – ein Kanu nach dem anderen – in den dichten Mangroventunnel vordringen. Mit unseren Alu-kanus machen wir uns jedes Mal laut bemerkbar, wenn wir gegen das dichte Holzgewächs stoßen (was besonders bei den Anfängern unter uns immer wieder vorkommt). Doch nach ein paar Wendungen haben wir den Dreh raus und können uns schließlich voll auf die Erzählungen des Tourguides konzentrieren.

Crouch ist ein begeisterter Vogelbeobachter und erklärt uns voller Passion den Unterschied zwischen Anhinga, Truthahngeier, Purpurhuhn und Silberreiher. Wir folgen seinem Blick zu den Vögeln, die aus den Bäumen schießen und über unsere Köpfe hinwegfliegen. Die roten Mangroven, die wir zügig umfahren, sind weitaus kleiner als die Bäume in der Florida Bay und werden daher auch Zwergmangroven genannt. In ihnen entdecken wir zahlreiche Luftpflanzen wie etwa Bromelien, die sich in den Zweigen angesiedelt haben und gänzlich ohne Erde wachsen.

Wir staunen nicht schlecht, als uns Crouch erzählt, dass hier überall auf den kleinen Inseln auch Rehe leben und dass das »Gras«, über das wir mit unseren Kanus fahren, tatsächlich die im Wasser wachsende Sumpfsimse ist.

Dann taucht plötzlich mitten auf dem Kanu-pfad ein Alligator auf und überrascht damit selbst unseren Tourguide. Das Reptil ist schlecht gelaunt und steuert fauchend auf unsere Gruppe zu. Während Crouch versucht, den Alligator mit seinem Paddel zu verscheuchen, ruft er uns aufgeregt zu: »Es ist Paarungszeit. Das hier ist ein männliches Tier, er sieht in jedem von uns einen Konkurrenten.« Das erklärt zwar die Aggressivität und die tiefen Bellgeräusche, die der Alligator von sich gibt, macht uns jedoch nur umso nervöser.

Als sich der Alligator endlich vom Guide abwendet, schwimmt er direkt auf uns zu. »Bleibt ruhig sitzen, bewegt euch nicht«, sagt Crouch. Wir erstarren auf unseren Sitzen und ziehen die Paddel ins Boot. Der Alligator reißt sein Maul weit auf und faucht uns an. Schrecksekunden! Mit stockendem Atem verharren wir, bis das Reptil urplötzlich abtaucht und im dichten Sumpfwasser verschwindet.

»Puh, Glück gehabt«, denken wir und schauen uns erleichtert an. Für den Rest unserer Tour kommen die Alligatoren dann nur noch aus sicherer Entfernung in Sicht, was uns fortan völlig ausreicht. Und bald können wir auch wieder ganz entspannt paddeln und die einzigartige Atmosphäre genießen.

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01. 07. 2012
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