25. 09. 2019
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Natur & Tiere

Everglades: Jagd auf eingeschleppte Tigerpythons soll verstärkt werden

Im Laufe von vier Jahrzehnten entwickelte sich der aus Südostasien stammende Dunkle Tigerpython zu einer der größten Bedrohungen des Ökosystems der Everglades. Um die Schlangenpopulation einzudämmen, will die zuständige Behörde nun die Jagd auf die Tiere intensivieren.

Autor: Patrick Pohlmann

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Im Oktober 1979 wurden Ranger des Everglades-Nationalparks von dem Besitzer eines Sumpfboottourenunternehmens über eine 3,6 Meter lange tote Schlange informiert, die er auf dem U.S. Highway 41 gefunden hatte. Laut einem Bericht der Tampa Bay Times handelte es sich dabei um einen der ersten Funde Dunkler Tigerpythons (Python molurus bivittatus) in Florida, die von den Behörden offiziell erfasst wurden, aber seinerzeit folgenlos blieben. Als 13 Jahre später Hurrikan Andrew durch Südflorida fegte, zerstörte der verheerendste Wirbelsturm, der die USA und die Karibik im 20. Jahrhundert heimsuchte, unter anderem auch eine Zuchteinrichtung für Reptilien in der Nähe des Nationalparks. Dabei entkam eine unbekannte Zahl an Pythons in die Freiheit, von denen nur ein Teil wieder eingefangen werden konnte. Noch immer gab es seitens der Behörden aber keine Besorgnis, dass die Würgeschlangen eine Bedrohung für die Everglades darstellen könnten. Diese offizielle Einschätzung änderte sich erst Anfang der 2000er-Jahre, als zweifelsfrei nachgewiesen wurde, dass die Schlangen sich in der floridianischen Wildnis vermehrten. Nun war es allerdings längst zu spät, um sie wieder gänzlich aus dem Ökosystem entfernen zu können.

Zugleich erfreuten sie sich unter Reptilien-Fans anhaltender Beliebtheit: Allein zwischen 1999 und 2006 wurden über 99.000 Dunkle Tigerpythons in die USA eingeführt. Darüber, wie viele davon später von ihren ihrer überdrüssig gewordenen Besitzern in den Everglades ausgesetzt wurden, kann nur spekuliert werden. Trotzdem wurde bis heute kein reguläres Gesetz zum Verbot des Imports der Pythons verabschiedet, sondern lediglich vom damaligen Präsidenten Obama ein Einfuhrstopp verhängt, während die Zucht in den USA weiterhin erlaubt ist. Inzwischen steht außer Zweifel, dass die invasiven Schlangen, die bei der Wahl ihrer Nahrung nicht übermäßig wählerisch sind und sogar vor erwachsenen Alligatoren nicht haltmachen, für den teils dramatischen Rückgang der Populationen einer Reihe von Säugetierarten wie Waschbären, Beutelratten oder Rotluchse verantwortlich sind – sei es, dass diese ihnen als Beute dienen, sei es, dass sie als Nahrungskonkurrenten aus dem Ökosystem verdrängt werden.

Nach Ansicht von Daniel Simberloff, Professor für Umweltwissenschaften an der University of Tennessee-Knoxville und ausgewiesener Experte für invasive Spezies, handelt es sich bei der Python-Invasion in Florida sogar um einen der bedrohlichsten Fälle der Gefährdung und Zerstörung eines Ökosystems durch eine fremde Art überhaupt. Sie sei lediglich vergleichbar mit dem Eindringen der Braunen Nachtbaumnatter in das Ökosystem der Marianen-Insel Guam, das zur Auslöschung der dortigen Singvogelpopulationen geführt habe. Zwar ist die Lage in Florida noch nicht so desperat, aber angesichts der immer stärkeren Ausbreitung der Pythons – deren Zahl inzwischen nach verschiedenen Schätzungen zwischen 10.000 und 300.000 liegen soll – besteht durchaus Grund zur Sorge, dass das Ökosystem irreversiblen Schaden nehmen könnte. Mittlerweile wurden die Schlangen nicht nur bereits auf den Keys gefunden, sondern breiten sich auch immer weiter nach Norden aus. Wie eine Studie feststellte, haben sie sich an kältere Temperaturen angepasst, sodass Kälteeinbrüche wie jener im Januar 2010 nur noch für einen Teil der Population tödlich sind.

Im Kampf gegen die Würgeschlangen wurden in Florida bereits unterschiedlichste Mittel erprobt. Spürhunde hatten zwar keine großen Probleme, die Pythons zu finden, kamen aber mit der Hitze in den Everglades nicht zurecht. Mit einfachen Fallen ließen sich die Schlangen dagegen nicht fangen. In jüngerer Zeit erproben Wissenschaftler den Einsatz von Sendern, die an zuvor eingefangenen männlichen Schlangen befestigt werden und sie dann zu paarungsbereiten Weibchen und konkurrierenden Männchen führen – eine Methode, die allerdings für den breiten Einsatz zu kostspielig und zeitintensiv ist. Öffentlich ausgerufene Pythonjagden riefen laut den Tampa Bay Times zwar "einige Hundert Möchtegern-Schlangenfänger" auf en Plan, führten aber zu so mageren Ergebnissen, dass die Gelege einiger weniger Schlangenweibchen ausreichten, um die Zahl der eliminierten Exemplare wieder auszugleichen.

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