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Perlen im Wind: Die Dry Tortugas Inseln

Ungefähr 110 Kilometer westlich von Key West reihen sich die sieben Inseln der Dry Tortugas ins türkisblaue Meer. Die Region ist bekannt für ihre vielfältige Vogelwelt, die Meerestiere und ihre Legenden über Piraten und versunkene Goldschätze. Notizen eines – zunächst – stürmischen Besuchs.

Autor: Dirk Rheker

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Spätestens hinter den Marquesas Keys wird es ziemlich ungemütlich. Windstärke sechs. Mindestens. Die »Yankee Cat« schraubt sich ächzend die Wellenkämme hoch, fällt anschließend krachend auf die weiße Schaumfläche des Meeres zurück. Schon faszinierend, wie so ein Katamaran diese enorme Dünung meistert! Es geht auf und ab, was nicht fest verankert ist, scheppert laut. Mir wird klar, warum wir unsere Taschen unter Deck bringen mussten, als wir vor einer Stunde von der Mole in Key West ablegten. Gischtige Wasserfontänen kommen jetzt auf uns zu, nur das hintere Deck bleibt verschont.

Hierhin haben wir uns verkrochen. Doch der seitliche Blick zur Gattin beweist: Nicht jeder findet den Ritt auf den Schaumkronen so unterhaltsam wie ich. »Ich wäre wohl besser im Hotel geblieben«, klagt sie mit ziemlich dünner Stimme. Um sich gleich im nächsten Moment wieder fest an die Reling zu klammern, um nicht den Halt zu verlieren. Nach einer knappen Stunde taucht am Horizont dann eine unwirkliche Festung aus den Fluten auf: Fort Jefferson auf den Dry Tortugas, das Ziel unserer Reise. Und wie auf Bestellung reißt plötzlich die vorher ziemlich dichte Wolkendecke auf. Strahlender Sonnenschein. Die Aussicht über das türkisblaue Meer auf die einsame Insel und die vorgelagerten Korallenbänke ist schlicht atemberaubend. Und auch die Laune der Ehefrau steigt wieder merklich an ...

Endlich an Land! Nach der ersten Inspektion von Fort Jefferson schwimmen wir mit der Schnorchelausrüstung, die uns die Bootsbesatzung zur Verfügung stellt, zu den Korallenbänken. Prächtig gestreifte Kaiserfische, bunte Barsche und sogar eine kleine blaue Geistermuräne tanzen im badewannenwarmen Wasser um uns herum. Plötzlich nähert sich von links ein Barrakuda und schaut uns, still im Wasser stehend, interessiert an. Wir ziehen es angesichts seiner scharfen Zähne vor, uns langsam wieder in Richtung Strand zu bewegen. Zeit, auf einer geführten Tour das eindrucksvolle, aus Backsteinen erbaute Fort näher zu erkunden.

Vom Florida-Eroberer Juan Ponce de León, so berichtet unsere kundige Fremdenführerin, die vorhin noch auf der »Yankee Cat« Sandwiches serviert hat, wurden die Dry Tortugas erstmals 1513 entdeckt. Meeresschildkröten oder »Tortugas« versorgten die Besatzung ausreichend mit frischem Fleisch, fehlendes Trinkwasser verhinderte aber eine dauerhafte Besiedlung. Beachtung durch das US-Militär erfuhren die Inseln im frühen 19. Jahrhundert wegen ihrer strategischen Lage in der »Florida Strait«, mit dem Bau der massiven Festung wurde 1846 begonnen. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs von 1861 bis 1865 diente das Fort als Gefangenenlager. Unter anderem waren hier jene vier Männer eingesperrt, denen ein Mordanschlag auf Präsident Abraham Lincoln zur Last gelegt wurde. Wir besichtigen die Zellen der mutmaßlichen Attentäter.

Schaurige Vorstellung, hier einkaserniert zu sein! Letztendlich wurde die Anlage trotz der Entwicklung eines unterirdischen Zisternensystems aber nie fertiggestellt. Der sandige Untergrund erwies sich als ungeeignet für den mächtigen Bau, schnell zeigten sich Risse im Fundament. Zudem machten mit Dampfkraft betriebene Kanonenboote die Existenz des Forts irgendwann überflüssig. Im Laufe des nächsten Jahrhunderts gewann die reichhaltige Tierwelt der Inselgruppe zunehmend an Bedeutung, 1992 wurde das Gebiet zum »Dry Tortugas National Park« erhoben. Über 250 verschiedene im Wasser und zu Lande lebende Pflanzen- und Tierarten nennen das Areal heute ihr Zuhause, darunter Zackenbarsche, Stachelrochen, Königsmuscheln, blauer Seetang und Hornkorallen. Zu den häufigsten Vogelarten des Parks zählen Seemöwen, Wanderfalken, Meerschwalben und der gabelschwänzige Fregattvogel.

Wir schlendern durch die scheinbar endlose Anordnung von Gewölben und Torbögen entlang der Batteriedecks und steigen die steilen Wendeltreppen zum oberen Ende der Festungsmauer hinauf, von wo aus wir einen fantastischen Blick auf die umliegenden Gewässer haben. Mein Vorschlag, beim nächsten Mal mit der Campingausrüstung auf die Insel zu kommen, um hier nach Art von Robinson Crusoe einige Tage auf der Insel zu verbringen, stößt bei der Gattin allerdings auf wenig Gegenliebe. Ihr graut bereits vor der Rückfahrt, die wir nach knapp fünfstündigem Aufenthalt antreten. Doch der Wettergott hat es gut mit uns gemeint: Statt aufgewühlter See präsentiert sich der Golf von Mexiko diesmal von seiner ganz sanften, spiegelglatten Seite.

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