02. 07. 2008
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Auswandern & Visa

Rentnerleben in Florida genießen

Sie kommen aus dem Nordosten der USA, aus dem Mittleren Westen und zunehmend auch aus Europa. Fröhliche Pensionäre, die einen Teil des Jahres oder länger in Florida verbringen. Eines ist allen gemeinsam: Auf den tristen Winter daheim verzichten sie gerne.

Autor: Hans Enderneit

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»Alt werden lässt sich nicht verhindern«, sagte einst ein kluger Kopf, »aber es muss nicht bei schlechtem Wetter geschehen.« Natürlich gibt es sie noch, diese ewigen Klischees, Florida sei das Rentnerparadies schlechthin. Gern vorgetragein übrigens mit leicht abfälligem Ton. Stimmen tut es längst nicht mehr. Und sowieso: Was kann schon falsch sein an einem Paradies? Woher dieser ewige Jugendwahn? Älter werden wir schließlich alle. Und die, die heute in Florida ihren Lebensabend verbringen, gehören längst nicht mehr zur »Generation Schaukelstuhl«. Das sind aktive, lebenslustige Menschen, denen ein paar mehr Falten nichts ausmachen und die es sich ansonsten gut gehen lassen. Sehr gut sogar: Der Sonnenstaat hat längst erkannt, wie stark die Senioren die heimische Wirtschaft ankurbeln. Die ausgezahlten Pensionen fließen von den konsumfreudigen Senioren direkt wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Die Gruppe der Rentner trägt zu einem Drittel des hiesigen Immobilienhandels bei. Und beim Porsche-Dealer in Sarasota oder Boca Raton sind es vor allem Kunden mit grauen Schläfen, die für Umsätze sorgen.

Fröhliche Oldies aus dem Mittleren Westen genießen ihren Lebensabend vor allem in der Gegend von Tampa und Fort Myers, die Großstädter fühlen sich besonders in Fort Lauderdale und Miami wohl. Wer gut betucht ist, lässt sich in Palm Beach oder Naples nieder. Und die ganz Cleveren machen es wie viele ihrer Altersgenossen aus Europa: nur während der Wintermonate kommen – und den Rest des Jahres daheim genießen. Warum über zwei Millionen Rentner im Sonnenstaat leben, liegt auf der Hand. Wer hat nicht schon an grauen Herbsttagen oder beim morgendlichen Freikratzen der Windschutzscheibe davon geträumt, in den sonnigen Süden zu ziehen und all dies hinter sich zu lassen? Während des Berufslebens ist das nicht so einfach, aber nach der Pensionierung pfeifen viele auf Kälte und Schneeregen.

Die meisten kaufen sich »nur« einen Zweitwohnsitz zum jährlichen Überwintern. Diese Gruppe wird gerne als Snowbirds bezeichnet, weil sie wie die Zugvögel vor der Kälte flüchten. Andere ziehen komplett um und lassen sich dauerhaft in der Sonne nieder. Dass sich viele für Florida entscheiden, liegt am Image des Staates als Urlaubsparadies, es hat aber auch finanzielle Gründe: In Florida sind die Steuern relativ niedrig und Immobilien deutlich billiger als etwa im sonnigen Kalifornien. Außerdem kann man sich in Florida unter Gleichgesinnten niederlassen: Viele Wohngegenden sind ganz auf die Bedürfnisse von Senioren eingerichtet. Es gibt komplette Siedlungen, wo nur einziehen darf, wer mindestens 55 Jahre alt ist. Sie bieten nicht nur die entsprechenden Wohnungen und Häuser, sondern auch vielfältige Freizeitprogramme und medizinische Versorgung. Wer sich derartige Anlagen nicht leisten kann, kauft sich in so genannte »Mobile Home Retirement Villages« ein, in dicht gepackte Siedlungen mit containerartigen, voll möblierten Fertighäusern für Rentner.

Hilde und Günther sind seit sechs Jahren in Fort Myers. In einem hübschen Haus am See verbringen die beiden Deutschen die Wintermonate im Warmen. Nur zu Weihnachten sind sie noch mal kurz daheim. Ihren Florida-Traum erfüllten sich die beiden Frührentner spontan auf einer Amerika-Reise: »Vor sechs Jahren haben wir hier das Grundstück gekauft. Dann haben wir uns Musterhäuser angesehen und danach das Haus gebaut. Seitdem sind wir hier und verbringen den Winter im schönen, warmen Florida.«

Kein ganz billiges Vergnügen, denn neben der Grundsteuer von knapp 5.000 Dollar schlagen vor allem die laufenden Kosten zu Buche: Hausverwaltung, Sturm- und Wasserversicherung, der Gärtner, der Poolservice, die Autoversicherung und die Gebühr für die Community. »So kommt man schnell auf 15.000 bis 20.000 Dollar im Jahr«, erläutern die Zugvögel aus Germany. Aber das ist es ihnen wert. »Für viele in Deutschland sieht es bei uns vor der Türe aus wie im Paradies.«

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02. 07. 2008
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