01. 10. 2017
Artikel bewerten
  
Reisen

Korpulente Nixen: Begegnung mit Seekühen

Da muss schon mehr als extreme Kurzsichtigkeit im Spiel gewesen sein. Anders ist es kaum zu erklären, dass Manatis von den spanischen Seefahrern einst für verführerische Meerjungfrauen gehalten wurden. Heutzutage sind die Fantasien weniger erotischer Natur: Touristen wollen den knuddeligen Riesen während der Wintermonate schlichtweg ein wenig näher kommen. So wie wir.

Left3-disabled Bild 1 von 1 Right3-enabled

So viel ist klar: Mit ihrer Rubensfigur gehen Manatis bestenfalls als Arielles korpulente Cousinen durch. Aber nach Monaten auf See dürfte mit den spanischen Seefahrern, die knuddelige Seekühe einst für Meerjungfrauen hielten, wohl schlicht die Fantasie durchgegangen sein. Wie auch immer, zwischen den Keys im Süden und dem nordwestlichen Pfannenstiel pflügen die Dickerchen im Winter vielerorts auch heute durch die küstennahen Gewässer. Aber nur in Crystal River, etwa eine Autostunde nördlich von Tampa, ist es in Florida erlaubt, mit den Seekühen in ihrer natürlichen Umgebung zu schwimmen.

Der Crystal River ist ein weitläufiges Flussareal, das von warmen Süßwasserquellen gespeist wird und deltaartige Wasserflächen ausbildet. Die Manatis sind in den Wintermonaten hier überall präsent, über und unter dem Wasser mit seiner konstant milden Temperatur. Entlang der Hauptstraßen findet man eine große Zahl von Veranstaltern, die Schnorcheln mit Manatis anbieten – als geführte oder individuelle Touren. Die Guides wissen am besten, wo sich die größten Gruppen von Seekühen im Winter nahe den warmen Quelle aufhalten.

Manatis leben allein oder in kleinen Gruppen von bis zu acht Tieren. Sie ernähren sich fast ausschließlich vegetarisch und »grasen« unter Wasser. Die normalen Tauchzeiten beim Fressen dauern bis zu fünf Minuten. Um länger abzutauchen, verlangsamen die Tiere die Herzfrequenz bis auf acht Schläge pro Minute – kein Wunder, dass es an Ruhe und Gelassenheit kaum jemand im Tierreich mit den grauen Riesen aufnehmen kann.

Wer sich zutraut, eines der flachen Metallboote selbstständig durch die trägen Flussarme zu steuern oder im Kanu oder Kajak flussaufwärts zu paddeln, kann in eigener Regie auf die Pirsch gehen. Doch Vorsicht: Die extra eingerichteten Manati- Schutzzonen sind absolutes Tabu für Besucher. Hier sollen sich die Tiere zurückziehen, ausruhen, schlafen können, ohne von Tauchern oder Schnorchlern belästigt zu werden. Wir haben uns für eine geführte Tour mit River Ventures entschieden, ganz früh morgens um 6 Uhr, weil um diese Zeit das Wasser noch etwas kühler ist und es die Manatis zu den warmen Quellen zieht. Bei heißem Kaffee gibt es erst einmal eine kleine Einführung zu den Seekühen und Tipps zum richtigen Umgang mit ihnen. Anschließend geht es rein in einen schicken Neoprenanzug, dann rauf auf ein Boot mit Captain John und anderen Schnorchlern.

»Die Tiere zieht es dahin, wo wärmere Temperaturen herrschen«, sagt unser wettergegerbter Expeditionsführer auf dem Weg ins Schutzgebiet. »Hier in die Bucht kommen sie gern, weil das Wasser wegen der vielen warmen Quellen konstant 22 Grad hat.« Manatis mögen es wohltemperiert. Die drolligen Seekühe mögen zwar ein bisschen pummelig aussehen, doch eine dicke, vor Kälte schützende Fettschicht besitzen sie nicht. Und so frieren die Seekühe ziemlich schnell, was sie letztlich dazu zwingt, sich in warmen Gewässern aufzuhalten.

Vor zehn Jahren seien die Manatis fast ausgestorben gewesen, sagt John. »Heute gibt’s allein hier bis zu 600 Tiere.« Und dann bläut er uns noch einmal die Regeln ein: Nicht laut planschen, sondern sich mit möglichst ruhigen Bewegungen auf den neonbunten Poolnudeln treiben lassen. So werden die Tiere, die nicht besonders gut sehen können, nicht verschreckt, können Vertrauen fassen und ihrer ausgeprägten Neugier nachgehen. Sollten sie nahe herankommen, ist anfassen nur erlaubt, wenn die Seekühe selbst den Kontakt suchen.

Nach 20-minütiger Fahrt geht es dann ins frische Wasser, das hier freilich nicht so kristallklar ist, wie der Name des Flusses und Orts vermuten lässt. Die Sicht reicht nur ein paar Meter weit, doch John sieht vom Boot aus, wo die Seekühe an der Wasseroberfläche Luft schnappen, und gibt Hinweise, wo man am besten hintreiben sollte. Manatis kommen nur ab und an zum Luftholen an die Oberfläche und halten sich ansonsten meist am Grund des Gewässers auf, um zu essen oder zu schlafen. Und tatsächlich zeichnen sich nach wenigen Augenblicken im leicht trüben Blau die Silhouetten zweier Seekühe ab: Eine Mutter und ihr Junges schweben ins Blickfeld – und in aller Seelenruhe wieder hinaus. Bald folgen weitere Jungtiere und große Bullen, die mit ihren gewaltigen Ausmaßen etwas einschüchtern.

Seite

1  |

2

nächste Seite »

 
  
01. 10. 2017
Artikel bewerten

florida sun branchen-guide

Hotels im Branchen-Guide

Jetzt die passende Unterkunft für Ihren nächsten Urlaub finden: Florida-Hotels in unserem Branchen-Guide

Kleinanzeigen

Anzeigen - Gesuche - Angebote

Florida Sun Magazine bietet einen kostenlosen Service für Privatanzeigen. Einfach Anzeigenformular ausfüllen.